Notizen

Spät'sche Kapitalismuskritik

Ich hab die letzten Wochen Und, was machst du so? und Die Freiheit nehm ich dir von Patrick Spät gelesen, beides Kritiken des Kapitalismus. Dabei hätte ich mir ersteres auch sparen können: Die Freiheit nehm ich dir ist eigentlich eine erweiterte und im Tonfall etwas verschärfte Fassung von Und, was machst du so? Aus historischer Perspektive und mit Blick für die Unstimmigkeiten im derzeitigen System führt Spät der_m Leser_in vor Augen, was Kapitalismus eigentlich bedeutet – sowohl für die Industrienationen als auch andere Teile der Welt. Auch wenn die Kritikpunkte mir nicht neu waren, waren es doch viele der Beispiele und geschichtlichen Anekdoten.

Post-truth politics

Wer am Montag die aktuelle Ausgabe von Last Week Tonight gesehen hat, wird darin ein erschreckendes Beispiel für Post-truth politics gefunden haben: Ein immer deutlicherer Trend in der politischen Debatte, Kampagnen an den Fakten vorbei zu machen, eine eigene, gefühlsmäßige Realität zu schaffen und Wahrheit an Befindlichkeiten zu knüpfen. Ein weiteres Beispiel wäre die Äußerung von Michael Gove während der Brexit-Kampagne, das Britische Volk hätte genug von Experten, als er nach Wirtschaftler*innen gefragt wurde, die einen Brexit für eine gute Idee halten. Ich habe zu diesem Phänomen zwei Gedankengänge. Die erklären ganz bestimmt nicht alles, aber sie helfen mir, zumindest ansatzweise zu begreifen, was eigentlich passiert und wie es dazu kommen könnte. (Kein Anspruch auf Vollständigkeit, yadda yadda yadda.)

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Technikutopien -- Technikdeterminismus die 2.

Wenn es nicht gerade auf Twitter ist und in 140 Zeichen passen muss, versuche ich ja immer, differenziert zu sein. Und tatsächlich hat sich ein Anlass ergeben, mal die Gegenseite zu meinem Post über Technikdeterminismus und -pessimismus zu schreiben. Es geht um den Artikel mit dem sprechenden Titel Da hilft auch das Internet nicht, von Martin Klingst auf zeit.de veröffentlicht. Allein der Anreißertext warf schon mit so merkwürdigen Formulierungen um sich, dass ich den Artikel gelesen habe, obwohl ich schon befürchtet habe, dass ich mich hinterher nur darüber aufrege.

Macht das Netz die Menschen offener und toleranter? Nicht unbedingt, zeigt jetzt eine Studie der Weltbank. Und auch die Täter von Köln hatten schließlich Smartphones.

Satz für Satz:

Macht das Netz die Menschen offener und toleranter?
Nein. Man spricht ja nicht umsonst von Filterblasen. Das ist aber schon länger und vor allem doch auch aus dem eigenen Alltag bekannt.

Nicht unbedingt, zeigt jetzt eine Studie der Weltbank.
Zeigt jetzt, jetzt! Vgl. oben.

Und auch die Täter von Köln hatten schließlich Smartphones.
An der Stelle war es bei mir vorbei. Die schiere Zusammenhangslosigkeit zwischen dem zweiten und dem dritten Satz ist erstaunlich.

Über Orientierung

Heute Morgen wurde ich von @pintawohl auf diesen Text in der NZZ aufmerksam gemacht. Kernthese: Mit dem Smartphone lässt sich nicht flanieren. Die neuen Orientierungsmöglichkeiten durch Google Maps lässt sich die Stadt nicht mehr erkunden, man ist nur noch zielstrebig unterwegs. Der Flaneur wird zum Voyeur. Wie der Zufall es so will fällt das genau in meine Beschäftigung mit Raum im Rahmen meiner Masterarbeit.

Theorietagebuch #4: Natur

Spricht man von Raum spricht man automatisch über Grenzen, denn diese geben ihm erst seine Form. Man spricht auch über Dichotomien wie Zentrum und Peripherie, Ost und West, Norden und Süden, Stadt und Land oder noch besser: Kultur (Zivilisation) und Natur. Am Samstag war ich im Ruhrtal wandern, es war warm, sonnig, der Wald war frühlingsgrün und die Vögel haben gesungen. Mit anderen Worten: Die Natur war kitschig ohne Ende. Was mich in meiner Theoriesättigung auf die Frage gebracht hat: Wie haben Menschen die "Natur" früher wahrgenommen?

Theorietagebuch #3: Raum produzieren, nutzen, sein

Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts war Raum im Vergleich zur Zeit -- genauer gesagt zur Geschichte -- eine zu vernachlässigende Größe im sozialkritischen Diskurs. Henri Lefebvre und nach ihm eine ganze Riege von Theoretikern haben ihn als Analysekategorie wieder in den Mittelpunkt gerückt. Lefebvres Production de l'espace (engl.: The Production of Space) kritisiert diese "Raumvergessenheit" scharf. Er sieht im Raum sowohl Produktionsmittel als auch Produkt von Arbeit und Machtverhältnissen im marxistischen Sinn.

Theorietagebuch #2: Körper als Kontingenzschwelle

"Identität", so Gernot Böhme in Anlehnung an Platon, "ist eigentlich nur für einen Gott gemacht, menschliches Dasein ist charakterisiert durch Nichtidentität."¹ Er spielt damit auf die alte Erkenntnis an, dass die Identität einer Person ständig in der Entwicklung ist, dass Identität im Sinne von "derselbe sein" eigentlich keinen Platz in menschlichem Leben hat. In der Antike wie in der Moderne ist das Konzept, zu bleiben, wer man ist, irgendwie befremdlich. In der Moderne bzw. Postmoderne sogar noch ein kleines bisschen mehr. Denn die Kategorien, über die wir traditionell unsere Identität abgefragt haben (Geschlecht, Beruf, Heimat …) verlieren mehr und mehr an Bedeutung. Aber hebt Platon noch den Körper als offensichtlich Wandelbares (vom Kind zum Greis) hervor, finden wir bei Foucault ein gänzlich anderes Sentiment:

Theorietagebuch #1: Identität und Wertschätzung

Im Zuge meiner Masterarbeit habe ich drei große Diskurse, die ich mir aneignen möchte, nämlich die über Raum, Identität und Fandom. Fandom ist noch relativ gegenständlich und eingängig, die anderen beiden sind große abstrakte Themen der Soziologie und Philosophie. Denn Raum ist keinesfalls als territorial begrenzte Einheit des physikalischen Raums zu verstehen. Als was dann? Das hoffe ich, mit der Zeit ausdrücken zu können.

Wohin diese Theorieblöcke führen sollen, sage ich noch nicht. :3

Im Theorietagebuch will ich nicht meine eigenen Gedankengänge festhalten, die Eingang in die Arbeit finden, sondern wunderbare Zitate und solche Überlegungen teilen, die gezwungenermaßen bei der Beschäftigung mit so einem Themenkomplex aufkommen, aber irrelevant oder untauglich für die Arbeit sind. Ansonsten käme ich eventuell in die Verlegenheit, mich selbst zu plagiieren und das will ja keiner. Falls die Arbeit gut genug bewertet wird, könnt ihr ohnehin davon ausgehen, dass ich sie hier nach Fertigstellung in Gänze teile.

Mein erstes Zitat stammt von Annette Barkhaus.

Transmedia Game Culture -- Sitzung 14

Transmedia als Spiel?

Betrachtet man die fünf Logiken des Zuschauer-Engagements nach Ian Askwith, fällt einem eventuell etwas auf:

  • Logic of Entertainment
  • Logic of Social Connection
  • Logic of Mastery
  • Logic of Immersion
  • Logic of Identification

​Ja, die lassen sich ziemlich gut auf die Spielertypen nach Bartle übertragen. Social Connection - Socialicer, Mastery - Achiever, Immersion - Exploration. Wenn man noch meine Ergänzungen des Role-Playing (Identification) und Grinding (Entertainment) dazu nimmt, passt das alles beängstigend gut. Als Medienwissenschaftlerin finde ich es merkwürdig und vielleicht ein bisschen bestürzend, dass sich die theoretischen Felder von Spielforschung und Transmediaforschung in einem Reigen um eine Leerstelle drehen, die sie nicht so richtig benennen wollen.

Feminist Reading: The Book of Life

Falls es sich noch nicht daraus ergeben hat, dass ich es als eines meiner Masterthemen bearbeitet habe: Ich liebe Animationsfilme. Ich liebe insbesondere solche, die sich etwas trauen. Die merkwürdig, ungewöhnlich und progressiv sind. (Laika <3) Und ich habe daher sehr gespannt auf The Book of Life gewartet. Weil ... Mexico. Und Unterwelt.

​Aber wie der Trailer schon erahnen lässt: Bei all meiner Liebe für Unterwelt-Narrative war vieles in dem Film ... ugh.

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