Persönliches

Eine Post-Scarcity-Parabel

Ich hab mich häufiger mal mit der Frage beschäftigt, wie sich Geld und unser Wirtschaftssystem entwickelt haben. Und es fängt immer mit einer Schilderung von Tauschwirtschaft an: Stell dir vor, du hast einen Apfelbaum und dein Nachbar hat Milchkühe. Du hast zu viele Äpfel und dein Nachbar hat zu viel Milch. Also gibst du ihm Äpfel und du gibst ihm im Gegenzug Milch. So einfach, so sinnvoll, so fern von jeglicher Lebensrealität im Europa des 21. Jahrhunderts! Darum eine kurze Erzählung von meiner Nachbarin, Frau H.

Ohnmacht

"Würde der Mensch erkennen, dass auch das Universum lieben und leiden kann, er wäre versöhnt."
Albert Camus

Menschen sind nicht gut dafür ausgerüstet, mit ihrer Existenz klar zu kommen. Manche spüren das mehr, manche weniger. Das ist keine tiefenpsychologische Einsicht, das ergibt sich aus der menschlichen Veranlagung, die Welt nach den eigenen Wünschen und Bedürfnissen zu ordnen. Darin sind Menschen vergleichsweise gut. Wir haben die Welt zu Städten und Feldern und Smartphones geordnet. Unsere große Stärke dabei ist, dass wir in großen Zahlen koordiniert zusammenarbeiten können. Wir haben Sprache. Wir haben Logik. Wir haben Argumente.

Die Grenzen unserer Ordnungsfähigkeit schmerzen darum um so mehr. Katastrophen lassen sich von Worten nicht beeindrucken. Hass gehorcht keiner Logik. Der Tod hat kein Ohr für Argumente. Die Unbeherrschbarkeit der Welt, das Absurde, die unendliche Gleichgültigkeit des Universums beißt sich mit unserer sozialen Logik des Überzeugens. Das menschlichste aller Worte ist und bleibt: Warum?

Liebe Uni

Der Campus der Ruhr-Universität unter bedecktem Himmel. Am Audimax hängt ein leuchtender Schriftzug: How love could be

Ja, wie könnte sie sein, die Liebe? Wenn ich aus der Erfahrung mit uns beiden sprechen müsste, ach Ruhr-Uni, würde ich vor allem sagen: Einseitig. Grau. Herzzerreißend. Du weißt, dass du nicht schön bist mit deinem grauen Beton, der gerüchteweise aber doch brennt. Aber du weißt auch, dass mir das nie wichtig war. Für jemanden, deren Schule ein eingebautes Militärkrankenhaus für den Fall eines Nuklearschlags beheimatete, warst du vielleicht sogar genau die richtige Uni. Schließlich heißt es ja, man suche sich immer Partner, die an die Eltern erinnern. Aber ich war für dich immer nur eine von vielen, RUB. Und ich kann das nicht mehr. Uni, ich verlasse dich.

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11x die Wahrheit

Ich wurde von Steffen dazu angehalten, ein paar Fragen zu beantworten. Und ich könnte jetzt schnippisch tun und sagen: Bei solchen Dingen mach ich nicht mit und ach und sowieso, aber da ich neulich erst random Informationen über mich via Twitter gepostet habe, wäre das irgendwie hohl. Und da ich schon lange mal wieder den Blog hier beleben wollte: Warum nicht so? Ich sage nur gleich, dass ich das Schneeballsystem nicht ganz weitermachen kann, einfach aus dem Grund, dass ich keine 11 Blogger*innen kenne, an die ich die Aufgabe weiterreichen könnte. Aber fangen wir an:

Identitätsurlaub

Alles, was man tut, um sich selbst als von anderen unterscheidbares Individuum wahrzunehmen, nennt man in der Soziologie Identitätsarbeit. Ich mag den Begriff ganz gerne, denn er drückt aus, was es wirklich ist: Arbeit. Wir sind über 7 Milliarden Menschen, aber irgendwie sollen wir uns von allen anderen unterscheiden, lediglich mit uns selbst identisch sein und unsere Identität auch irgendwie artikulieren können. Ich finde das ... anstrengend. Viele haben Spaß daran, sich zu stylen, auszudrücken, auszuprobieren, buchstäblich "zu sich selbst zu finden". Und da ich gerade im Zuge meiner Überlegungen zur Masterarbeit auch das Konzept der Heimat reflektiere und in diesem Zuge über Räume der Freizeit nachdenke, bin ich unweigerlich auf das Konzept des Urlaubs, genauer gesagt der Urlaubsreise gekommen, welche in meiner Arbeit leider keinen Eingang findet.

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Zu wissen, was man wissen soll

Kindheitstraumata sind manchmal ganz doofe Dinge, die in der Retrospektive so trivial sind, dass man eigentlich nur drüber lachen kann. Aber trotzdem graben sie sich so tief in die Psyche, dass man auch 20 Jahre später noch dieselbe Scham erlebt. Ich erinnere mich an eine Szene. Ich frage meine Mutter: "Was war die DDR?" Und meine Mutter reagiert mit einem entsetzten, verärgerten, einem mich bis in die Tiefen meines Seins erschütternden "ORRRR, ALENA!!!". (Obwohl "Orr!" damals noch kein gängiger Ausruf war.)

Man muss dazu sagen: Ich war in der Grundschule, 3. oder 4. Klasse und bin ein Jahr vor der Wiedervereinigung auf die Welt gekommen. Ich habe den Ausdruck "DDR" zum ersten Mal bewusst gehört, weil eine Klassenkameradin erzählt hat, sie sei in den Ferien in der ehemaligen DDR gewesen. Für jemanden, der wie meine Mutter komplett im kalten Krieg aufgewachsen ist, war es natürlich unvorstellbar, dass jemand nicht weiß, was die DDR ist. Für mich war es das erste Mal, dass ich etwas nicht wusste, was ich anscheinend hätte wissen sollen, denn ich war immer ein "kluges" Kind. Ich war süchtig nach Sachbüchern und Dokus. Nur das Was-Ist-Was-Buch "Die DDR und der Eiserne Vorhang" gehörte leider nicht zu meinem Fundus.

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Meine Hobbys: Chilis, Schnittlauch und kulturelle Aneignung?

Lasst es hiermit offiziell sein: Wenn ich auf Twitter schreibe "Ich gehe zum Sport" oder "tanzen", dann meine ich damit Bauchtanz. Ich tanze bauch. Oder bauchtanze. Oder wie auch immer. Angefangen habe ich eigentlich aus Gründen von Orthopädie ("Sie müssen dringend was für Ihren Rücken machen. Ich empfehle Kampfsport oder Tanzen." Ich hab mir die Handgelenke beim Kampfsport als Jugendliche zerstört, also Tanzen) und einer Jugend in der Gothic Szene (vgl. Tribal Fusion). In meiner Nähe war eine Bauchtanzschule, perfekt.

Was mich am Anfang jedoch massiv gestört hat, war der eklatante Mangel an arabischstämmigen Menschen in meinem Kurs. Weder meine Lehrerinnen noch die Mittanzenden hatten offenkundige Verbindungen zur arabischen Kultur, aus der diese Tanzform stammt. Und in meinem Intersectional Feminist Avenger Hirn formte sich Widerstand: Ist, was wir hier tun, okay? Ist das hier kulturelle Aneignung (cultural appropriation)? Bin ich respektlos gegenüber einer ganzen Kultur?

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gut werden

Es gibt Dinge, in denen ich gut sein will:

  1. Ich will gut schreiben können.

Schreiben ist die einzige Leidenschaft, die mich jetzt über zehn Jahre lang begleitet. Es ist das, was ich will, egal, was sonst noch so kommen mag. Ich liebe Geschichten. Ich beherrsche kein anderes Medium. Daher schreibe ich. Und ich will es so können, dass die Buchstaben transparent werden und ich Menschen so direkt erreiche, dass sie nicht mehr merken, dass sie lesen. 

Alles neu macht der Ma… Jun… Juli!

Endlich wieder online! Ein erhabenes Gefühl! Ein ermächtigendes Gefühl! Und sogar mobiltauglich! Ich habe mich beim Redesign für etwas Schlichtes entschieden, das den Hauptinhalt -- den Text -- wieder in den Mittelpunkt stellt. Jetzt, wo die technischen Hürden überwunden sind, kann ich auch endlich wieder bloggen!

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