Angebot und Nachfrage

Da liest man mal wieder ein paar Zahlen, weil man inzwischen ja doch irgendwie ein ökonomisches Interesse an der Buchbranche hat, und stolpert bei smart-digits über folgende Sätze:

Dabei fällt auf, dass nach wie vor gedruckte Werke gelesen werden und nicht besonders stark gesunken sind. Natürlich sind eBooks auf dem Vormarsch. Sie scheinen aber das Gedruckte nur bedingt zu verdrängen.

Wenn ich so etwas lese, will ich mir nur die Finger nachdenklich über die Lippen legen, den Kopf schütteln und in meinem besten sarkastischen Schwäbisch sagen: "Ha so ebbes!" (Das liegt hauptsächlich daran, dass ich meinen Herkunftsdialekt als besonders geeignet für nichtige Empörung erachte.) 

Dass eBooks gedruckte Bücher nicht verdrängen, dürfte hingegen keinen überraschen. Oder? Ich meine: Tablets und Smartphones sind bis auf die Größe quasi identische Geräte, trotzdem spricht keiner davon, dass das eine das andere verdrängt. Halten wir kurz mal fest: Dinge mit gleicher Funktionalität aber unterschiedlichem Format befriedigen nicht dasselbe Bedürfnis. Das Tablet ist der Heimcomputer zum Surfen und Twittern auf der Couch. Das Smartphone ist ein Telefon mit Internetzugang und Organizer-Funktion, das in die Tasche passt. Obwohl beide dieselbe Funktion liefern könnten.

Ein Buch und ein eBook -- dieses Wort ist wirklich schrecklich. Diglet? Digiback? Digedition? -- übermitteln beide via Text Informationen. Eine Geschichte oder einen Fachtext, egal. Aber -- und ich will gerne hören, wie ihr das handhabt -- ich lese nicht weniger Bücher, seit es eBooks gibt. Im Gegenteil: Ich lese allgemein mehr, weil eBooks für mich von der Verfügbarkeit und Praktikabilität her eine Lücke schließen, die Holzbücher (WoodBooks :D) nicht bedienen konnten. 

Samstag Abend neun Uhr und überraschend ein paar Stunden/einen Tag Zeit zum Lesen? Her mit dem eBook! Und das ist kein Buch, das ich mir Montag dann im Laden gekauft hätte. Das ist dann ein Buch, das ich mir sonst gar nicht gekauft hätte, weil mir die Gelegenheit gefehlt hätte, es zu lesen.

Sicher gibt es das ein oder andere, das ich mir sonst auch als Papierausgabe gekauft hätte, aber das dann nur aus Mangel einer Alternative. Ich würde es so sagen: Die Marktanteile, die vom Druck auf Digitalausgaben wandern, waren Marktanteile, für die das Papierbuch ohnehin nur ein notwendiges Übel war. Aber das Digitalsegment wird selbst Käufer generieren, der Markt wird dadurch insgesamt wachsen. Denn eBooks stillen eine Nachfrage, für die es bisher kein Angebot gab.

Das heißt, dass digitale Texte das gedruckte Buch nicht verdrängen werden. Echt nicht.

Neuen Kommentar schreiben

To prevent automated spam submissions leave this field empty.

Plain text

  • Keine HTML-Tags erlaubt.
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
CAPTCHA
Diese Frage testet, ob du ein Mensch bist oder nicht.
m
x
L
T
u
K
Enter the code without spaces.