Arbeit und Lohn

Kennt ihr diese animalischen Momente, in denen sich eure Sozialisierung kurz verabschiedet und ihr ein Gefühl der Entfremdung gegenüber eurer eigenen Kultur empfindet, denn, seien wir mal ehrlich, was machen wir da eigentlich die ganze Zeit? Warum zum Teufel bin ich nicht draußen und pflücke Brombeeren oder fische oder suche nach wildem Gemüse? Warum sitze ich an einem Schreibtisch und starre ein Ding aus Plastik und Metallen an, das mir bunte Bilder und irgendwelche abstrakten Zeichen zeigt? Ich bin mir relativ sicher, dass ich nicht dafür gemacht bin.
Nein? Bin das nur ich? Na ja, auch egal.
Denn diese Momente gehen vorbei. Aber sie lassen einen mit Fragen zurück. Und eine Frage, die mich derzeit ständig umtreibt, ist Sinn und Unsinn von Lohnarbeit, hauptsächlich genährt durch diverse Artikel über die idiotischen Ausmaße, die das inzwischen annimmt.

Das Problem, das ich sehe -- so viel sei vorweg gesagt -- ist, dass Arbeit ein mehr oder minder selbstreferenzielles Wertesystem geworden ist. Die Belohnung, die man davon hat, Arbeit zu haben, ist … na ja … Arbeit zu haben. Die Bezahlung, bzw. das Arbeitsentgelt ist eigentlich mehr so ein angenehmer Nebeneffekt von Arbeit. Das mag nicht überall so sein, aber ich hab das Gefühl, dass gerade in meiner Peer-Group der gut (akademisch) Ausgebildeten diese unbewusste bis bewusste Einstellung überwiegt. Ich glaube, wenn Leute aus einer weniger komfortablen Situation heraus Arbeit suchen, ist das was Anderes, aber sagt mir bitte auf Twitter oder in den Kommentaren, wie ihr das in eurem Umfeld wahrnehmt bzw. wie ihr das seht.

Daraus ergibt sich auch eine rekursive Anforderungsschleife: Um Arbeit zu bekommen, musst du Arbeit haben oder sie doch zumindest in naher Vergangenheit gehabt haben. Lücken im Lebenslauf? Gehen gar nicht. Selbst für Praktika muss man schon mal ein Praktikum im selben Bereich gemacht haben. Arbeitserfahrung ist alles. Wobei ich eigentlich dachte, Praktika sollen in erster Linie der Orientierung dienen und nicht lästige Hemmschwelle für den Berufseinstieg darstellen.

Tatsächlich gibt es ganze Industriezweige, die darauf bauen, dass junge Fachkräfte freiwillig für keine oder geringe Bezahlung bei ihnen arbeiten. Der Mindestlohn bedroht z.B. die Buchbranche in ihrer bisherigen Aufstellung: PraktikantInnen und VolontärInnen machen hier einen nicht zu vernachlässigenden Anteil des Personals aus. Können diese Betriebe überhaupt bestehen, wenn sie all jenen, die für sie arbeiten, auf einmal einen Mindest(!)lohn zahlen müssen? Fraglich. Was aber noch erstaunlicher ist: Wie konnte es überhaupt dazu kommen, dass es vollkommen normal ist, ohne Bezahlung zu arbeiten? Gerade für die gut Ausgebildeten sollte doch ein Mindestanspruch an die Arbeitsentlohnung existieren. 

Die Wirtschaft bedient sich hier der Taktik, mit der sie alles löst: Kredit. Wenn man unbezahlt arbeitet, erhält man im Gegenzug die Referenz: Die Aussicht auf einen besser (oder überhaupt) bezahlten Job und was ist das anderes als das Versprechen auf Rückzahlung, das einen Kredit ausmacht? Wir arbeiten, um Arbeit zu bekommen.

Wenn wir schon bei Arbeit um der Arbeit Willen angekommen sind, müssen wir die Idee von Null-Euro-Jobs ansprechen. Bitte auf der Zunge zergehen lassen: Null-Euro-Jobs. Während also andere Menschen in diesem Land einen Stundenlohn von 8055 € bekommen, sollen andere gar nicht mehr entlohnt werden. ("Die Arm-Reich-Schere geht immer weiter auseinander. Keine Ahnung, wie das passieren kann.") Natürlich soll die unbezahlte Arbeit keine Echten Arbeitsplätze™ ersetzen, nein, es geht hier um "Qualifizierungsmaßnahmen für Langzeitarbeitslose".
Ach so. Ja dann.
Das kann nur in einem System Sinn machen, wo nicht mehr die potenzielle Arbeitskraft an sich über die Einstellbarkeit (Employability) eines Menschen entscheidet, sondern seine oder ihre Werte- und Systemkonformität. Man muss den Arbeitgebern erstmal beweisen, dass man das mit dem Angestelltenverhältnis irgendwie auf die Kette kriegt, bevor man von denen schlecht bezahlt werden darf.

Und dann kaufen sich Profisportler ein paar Immobilien in Kroatien, weil das als Urlaubsziel gerade so beliebt ist. Man kann mir ja viel sagen, was Geld widerspiegelt, aber es ist garantiert nicht die Nützlichkeit für die Gesellschaft.

Die Idee der Lohnarbeit ist inzwischen so verunziert von den absurdesten Wucherungen zwischen nicht bezahlten Jobs und solchen, die mehr Geld in der Stunde einbringen, als andere Stellen in einem Dreivierteljahr, ich kann einfach nicht mehr anders, als eine extreme kognitive Dissonanz zu erleben, wenn ich über Arbeit und Geld nachdenke. Das animalische Hirn möchte über dieses Teufelszeug lachen und Kartoffeln anpflanzen. Das wohlbehütete sozialisierte Bauchgefühl sagt sich, dass schon alles gut gehen wird.
Die Wertvorstellungen liegen schon seit Längerem weinend in der Ecke.

Aber ich wälze die Fragen weiter: Auf wie viel Komfort = Geld = Arbeit kann und möchte ich verzichten? Würde es meine Weltsicht verändern, wenn ich viel Geld hätte? Geld ist ja quasi der root-Zugriff auf unsere Gesellschaft. Wenn ich nicht aus dem System ausbrechen möchte oder kann, stellt sich vor allem die Frage: Gibt es eine Form der Arbeit, mit der ich mich identifizieren kann, wenn ich mich schon über Arbeit definieren muss? Gibt es für mich Arbeit, die eher Beruf als Job ist?

In diesem Sinne: Ich hab ab September einen Job -- eine Feldstudie.

Kommentare

Das System ist kaputt

Das System ist kaputt.
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Und Du bist jetzt bestimmt glücklich , dass ich gerade keine Zeit habe, um hier in diesem Kommentarfeld all die Gedanken rauszulassen, die ich zu der abstrusen Vorstellung von Arbeit gegen Geld habe. Zu Deinem denksanstoßenden Text also nur die eine Ergänzung, und vielleicht im Sommer mehr: Viel Geld lässt die meisten von uns zu Menschen werden, die nicht mehr so doll finden, dass das System kaputt ist. Das Problem dabei: Es kann nie genug Geld sein. Wir werden nicht satt. Geld lässt uns in diesem System bestehen, wir können konsumieren, Konsum ist eh lässig und so weiter. Und je mehr Geld die Menschen haben, desto häufiger denken sie: "Ja, aber wenn ich nur ein wenig mehr Geld hätte ..."

Ich kann Deinen Blogpost gerade nicht entsprechend würdigen. Aber Du machst da ein paar sehr nachdenkenswerte Fässer auf. Vielleicht mehr, wenn Deine (und hoffentlich auch meine eigene) Feldstudie angelaufen sind? Trotzdem lasse ich für die Leserinnen mal was hier, fällt mir gerade so ein, und passt auch ein bisschen: http://www.mein-grundeinkommen.de/
<3

Gerne mehr

Ich freu mich schon darauf, mehr von dir darüber zu hören. :D Ich bilde mir immer ein, dass meine Moral stark genug wäre, um mit viel Geld verantwortungsvoll umzugehen, aber wahrscheinlich ist das nur das Unwissen, was aus dieser Vorstellung spricht.

selbstreferenzielles Wertesystem

Du meinst also viele arbeiten um etwas zu tun zu haben? Genug Geld zum Leben springt sowieso dabei raus? Hä? Ich habe in meiner "peer group" eher den Eindruck, dass es drei Arten von arbeitenden Menschen gibt.
1. Der Überzeugungstäter der das was er macht toll findet und es aus voller Überzeugung tut. (Da zähle ich mich selbst dazu.)
2. Der nur für Geld arbeitende. Das sind einerseits die gierigen die nicht genug Geld haben können und so ziemlich jeden Mist machen würden wenn nur viiieel Geld dabei rum kommt.
3. Die konservativ-spießigen, die arbeiten weil man das halt so macht.
Bei der letzten Gruppe bin ich mir nicht sicher ob es sie überhaupt gibt, oder ob ich das nur von manchen Leuten denke, weil ich sie nicht so gut kenne. Zumindest gibt es niemanden den ich gut kenne und in diese Gruppe einordnen würde.

Von dieser "Generation-Praktikum", die du da wohl umschreibst, hab ich bisher auch nur gehört, bzw. in irgendwelchen illustren Zeitschriften gelesen. In der Informatiker-Welt ist vermutlich auch die Welt diesbezüglich auch noch echt in Ordnung. Als ich mich vor 1,5 Jahren beworben habe wurde ich nie nach Abschlüssen oder Arbeitserfahrung gefragt, sondern immer nur nach Können und Wissen. Jobs gibt es in unserer Branche im Moment zum Glück auch genug. Aber auch die paar Medienwissenschaftler mit denen ich zu tun hatte sind alle irgendwo untergekommen und werden bezahlt. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass es in Baden-Württemberg tatsächlich noch einen gesünderen Arbeitsmarkt als in Nordrhein-Westfalen gibt? Diese von Praktika bestimmte Zeit nach der Uni kommt mir sogar so vor wie wenn sie nur in irgendwelchen extrem fiktionalen Berlin-Mitte-Loft-Hipster Schweighöfer-Filmen vorkommen könnte. Ich kann es mir nicht vorstellen, dass es sowas gibt. Vielleicht sagt uns das, dass die Problematik nur auf manche Branchen zutrifft. Ich würde behaupten, dass die Aussichten bei allen Berufen die, sich Ingenieur nennen, etwas mit Natur-Wissenschaften zu tun haben oder auch nur entfernt mit Informatik, ziemlich gut sind. Somit funktioniert da auch das von dir angesprochene Kreditsystem nicht mehr.

Man kann halt auch nicht erwarten, dass man irgendwas lernt was keiner braucht und dann aber genug Geld verdient. Es scheint ja wohl so zu sein, dass es eine Schwämme von Journalisten und irgendwie gearteten Medien-Menschen gibt für die es nix zu tun gibt. Ich hab keine Ahnung wieso es zu viele sind, aber meistens weiß man das ja bevor man so eine Ausbildung beginnt. Das ist genau so quatschig wie als Sven Regener meinte Künstler machen ihre Kunst nicht zum Spaß, darum wollen sie gefälligst auch ordentlich dafür entlohnt werden. Es gibt halt kein Recht auf Geld nur weil man etwas kann. Wenns keiner will was man macht hat man Pech gehabt.

Es gibt mehrere Probleme im Arbeitsmarkt:
1. Vorhandene Arbeit wird mehr und mehr technisiert und von Maschinen übernommen. Eigentlich ist das super, denn dann müssen die Menschen selbst weniger arbeiten wenn das Maschinen für sie machen. Aber in unserem bisherigen System funktioniert das nicht mehr. momentan werden dadurch einige wenige, wie Herr Winterkorn, sehr reich und die die nicht mehr gebraucht werden werden rausgeschmissen und haben nix davon.
Darum ist die Idee eines Grundeinkommens eigentlich ziemlich gut, wie ich finde. Aber es ist extrem schwierig das einerseits gerecht zu bemessen und auszutarieren, so dass trotzdem noch genug Leute arbeiten und die die nicht arbeiten keine Probleme machen weil sie nicht zu tun haben. Andererseits ist es sicher auch überhaupt erstmal problematisch ein Bewusstsein für die Notwendigkeit dafür zu schaffen und dann die Leistung aufzubringen die Einführung glatt über die Bühne zu bekommen. Ich bin aber der Meinung, dass, wenn es bei dieser Entwicklung bleibt, am Ende kein Weg an einem Grundeinkommen vorbei führt. Im übrigen besteht dieses Problem nicht nur bei den "niedrigen" technischen berufen wie Fließbandschraubern, sondern auch bei allen anderen Berufen die nicht Kunst sind oder die die Maschinen programmieren. Am Ende braucht man nur noch den prüfenden menschlichen Blick.
2. Soziale Berufe sind so total abgekoppelt vom Rest. Die braucht man, werden aber nicht geschätzt, wenn man sie nicht gerade benötigt. Sie produzieren keinen Service oder Produkte die irgendjemandem Spaß machen. Darum werden die nur zu gern vergessen und darum werden die sehr schlecht bezahlt. Was ein Problem ist bei immer mehr sozialen Engpässen.

Allerdings sind diese ganzen Probleme keine die eine Gesellschaft zum durchdrehen bringen könnte. Ich meine das sind zwar gesellschaftliche Probleme, aber ich bin mir sicher, dass wir die "schon irgendwie" meistern werden. Es gibt genügend Menschen (und Parteien und Organisationen) die sich dazu Gedanken machen und auch schon gute Ideen haben. Das wird noch schlimmer werden und daher dringender, aber ich denke wirklich, dass das zu schaffen ist. Eine freie flexible Gesellschaft mit 0% Arbeitslosen und 0% ungerecht entlohnten ist nicht möglich, denke ich. Andere gesellschaftliche Probleme machen mir da mehr Angst: Korruption, seltsame Finanzgeschäfte und ein auf Wachstum ausgelegtes Finanzsystem (womit wir wieder bei der Gier wären) das dann sowas wie Griechenland und vermischt mit etwas Bespitzelung im großen Stil etwas wie die Türkei und Prism hervorbringt. Wobei letzteres vielleicht eher was mit "moderner" Kriegsführung zu tun hat und weniger mit der Gesellschaft.

Das sind die gesellschaftlichen Dinge die mir Sorgen bereiten. Andererseits werde ich den Gedanken nicht los, dass ich mit meinem Kommentar das Thema verfehlt habe und nicht kapiert habe worauf die eigentlich hinaus wolltest!? Aber wie schon gesagt wurde, es waren so einige Fässer die du zumindest leicht geöffnet hast. :-)

Selbstzweck

Erstmal danke für den sehr ausführlichen Kommentar. :D

Ja, ich vergesse manchmal, dass es noch diese andere Welt gibt. Die, die auf Kompetenz ausgelegt ist und auch dementsprechend bezahlt wird. Das Ding ist, dass die meisten Geisteswissenschaftler es sich nicht leisten können, Personengruppe 1. oder 2. anzugehören. Sie können nicht das tun, was sie wirklich wollen, weil diese Jobs nicht bezahlt werden (Kultur braucht ja eh kein Mensch) oder für sie nicht erreichbar sind -- man braucht ja vorher mindestens 5 Jahre Arbeitserfahrung. Sie können auch nicht fürs Geld arbeiten, weil gerade Einstiegsstellen (die tatsächlich häufig Praktika und Volontariate sind) so schlecht bezahlt sind, dass man gar nicht für das viele viele Geld arbeiten kann. Da bleibt eben nur zu arbeiten, weil man das halt so macht.

Das Problem ist darüberhinaus -- und da kommt der Aspekt der Nützlichkeit mit rein, den du später ansprichst -- dass wir Philologen uns um diese Jobs mit den BWLern prügeln müssen, die aus irgendwelchen Gründen die glitzernden Einhörner des Arbeitsmarktes sind. Juna hat die damit einhergehende Frustration hier besser auf den Punkt gebracht, als ich das kann.

Das, was wir tun, wird gebraucht. (Von der Textproduktion lebt das halbe Internet ja.) Aber es wird halt aus irgendwelchen Gründen lieber mit BWLern besetzt.

Und ich kann dir versichern: Das ist kein Problem von irgendwelchen Hipster-Kreisen. Das ist für Geisteswissenschaftler jeglicher Couleur bitterer Alltag.

Ich fände ein Grundeinkommen auch gut und spannend und gesellschaftlich zuträglich, aber ich glaube nicht, dass wir das sehen werden. Weil: Hey, dann kann man Leute gar nicht mehr zu schrecklichen Arbeitsbedingungen zwingen, weil sie dringend Geld brauchen. :( Was unserer Gesellschaft gut tun würde, wäre eine Anerkennung und entsprechende Vergütung sozialer und kultureller Berufe, aber die will keiner bezahlen. Das kann man ja nicht exportieren. Das führt letztendlich dazu, dass das gesamte Land aufgespalten wird in einen überbezahlten Wasserkopf, der auch nicht wirklich was tut, was die Menschheit weiterbringt, sondern sich nur selbst verwaltet, und in einen unterbezahlten Unterbau aus Leuten, die die wichtige Arbeit machen. Fürsorge ist letztendlich die Arbeit, die sich nicht automatisieren lässt und durch die menschliche Gemeinschaft erst funktioniert.

Und nur so noch mal zu der Unterstellung, Geisteswissenschaftler sind super unnütz: Die EU wollte vor ein paar Jahren alle (!) finanzielle Förderung der Geisteswissenschaften einstellen, weil die ja "nur die Verwalter des kulturellen Erbes sind". (Hier bitte kurz innehalten und über die Implikationen dieses Statements nachdenken.) Wahrscheinlich ist die Frage nicht eine der Nützlichkeit, sondern der Wertschätzung. Wirtschaft ist im Moment eben angesehener als Kultur und ganz ehrlich: Ich bin der Meinung, dass momentan keiner noch mehr BWLer braucht. Die lernen ja auch keinen konkreten Skill. Trotzdem bekommen die die Jobs. Also verbitte ich mir dieses Rumgehacke auf den Geisteswissenschaften. ;D

(Kein Betreff)

Den Text von Juna hatte ich sogar davor auch schon gelesen. Ohne mit dem Bereich je viel zu tun gehabt zu haben (und das, obwohl ich auf einem Wirtschaftsgymnasium war), kam mir das durchaus auch schon so vor. Vor allem schien es so, dass die Leute, die nach dem Abi keine Ahnung haben was sie machen sollen auch schon die Frage nach ihrer Zukunft mit "oder BWL" beantworten. Als BWLer scheint man immer irgendeinen Job zu finden. Das ist natürlich total bescheuert, denn da züchten wir uns ja nen Haufen (frustrierte) Spezialisten heran und zusätzlich noch unmotivierte aber trotzdem überforderte BWLer. Man müsste für die kulturellen Berufe ein größeres Bewusstsein schaffen.

Ich wollte damit übrigens nicht sagen, dass ich nicht glaube, dass es Branchen gibt in denen man 17 Praktika nacheinander machen muss. Nur konnte ich es mir bisher nicht vorstellen. Ich hatte davon noch nie in meinem Umfeld gehört. Aber ich finde es total krass. Ich kann mir es nicht vorstellen wie man da beim dritten Praktikum mit geringer Aussicht auf Erfolg noch einen Funken Motivation in sich tragen soll.

Ich glaube wenn wir uns weiter so entwickeln MUSS es ein Grundeinkommen geben. Denn der Wasserkopf wird immer kleiner, aber reicher. Irgendwann hält das Ungleichgewicht nicht mehr. Das ist dann aber der Zeitpunkt den ich nicht erleben möchte. Das bedeutet dann nämlich, dass der Unterbau auf die Barrikaden geht. Im übrigen kann man zumindest Kultur schon exportieren. Dass Berlin im Moment so angesagt ist in der Welt liegt am Ende nur an der Kultur. Das lockt Touristen an - fördert also eher Import. :-) Aber die richtig guten Künstler werden ja dann auch exportiert, reisen um die Welt, kollaborieren ... Das kann halt nur funktionieren wenn es ein Umfeld gibt welches Künstler unterstützt und zusammen bringt. Außerdem rein ökonomisch gesehen, wenn Kunst mal richtig erfolgreich ist, kann das ja auch ne richtige Gelddruckmaschine werden.

Das mit der Nützlichkeit meinte ich eher allgemein. Ich glaube ich bin eh bei meinem Kommentar etwas abgeschweift... :-) Es wird immer Menschen geben die etwas können was aktuell nicht gebraucht wird. Und nicht immer würde sich das durch eine Adäquate Wertschätzung lösen lassen. Ob es die Situation ausreichend entschärfen würde wenn es die ganzen Kultur-BWLer nicht gäbe weiß sicher auch keiner.

Ich wollte auch gar nicht auf den Geisteswissenschaften rumhacken. In (m)einer Traumwelt würde es viel mehr gut Bezahlte Philosophen und Soziologen und Kultur-Wissenschaftler geben die sich über die großen Fragen unserer Zeit Gedanken machen dürfen. Leider hat sowas in einer Leistungsgesellschaft wie wir sie zur Zeit haben kaum einen Platz. Wenn dann nur als schmückende Randerscheinung.

Wertschätzung

Ich habe auch nicht ernsthaft gedacht, dass du Geisteswissenschaften nutzlos findest, wollte nur noch mal betonen, dass es eigentlich nicht daran liegen kann. ;)

Das mit der Wertschätzung ist ja irgendwie der Kern der Arbeit. Das sehe ich bei mir, das sehe ich bei anderen: Man arbeitet eigentlich gerne, auch für weniger, als man eigentlich bekommen sollte, aber wenn nicht wertgeschätzt wird, was man tut, macht es keinen Spaß. (Damit einher geht auch: Wenn das Team und das Soziale stimmt, macht so gut wie jede Arbeit Spaß.) Leider geht es immer mehr dahin, dass die Unternehmen unpersönlicher werden, jeder sein eigenes Süppchen kocht und sogar selbst die eigene Arbeit nicht mehr wirklich wertgeschätzt werden kann.

Ich würde auch sagen: Grundeinkommen, ja bitte. Das bringt Arbeitgeber (und auch den Staat) in die Situation, den Arbeitswillen von Menschen wertzuschätzen. Und davon würden alle profitieren.

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