Bücher und Bücherinnen

Ich bekenne mich schuldig! Ich gebe zu, dass ich das Freche Frauen Regal in der Mayerschen immer in einem fünf-Meter-Radius umschifft habe. (Ich glaube, das gibt es schon nicht mehr. Gibt es das noch?) Erstens, weil ich mich als gute Gender-Studies-Indoktrinierte Studentin weigere, sinnlos gegenderde Bücher zu kaufen und zweitens, weil ich in meinem Kopf genau dieses hier gemacht habe:

The flow chart looks like this: ARE YOU A LADY? Yes. YOU WRITE ROMANCE: No. YES YOU DO. AND THAT IS CHEAP. What? I said no, and what?

— maureenjohnson (@maureenjohnson) May 8, 2013

Frauen? Das sind doch die, die diese schmalzigen Sie-ist-Ende-zwanzig-Anfang-dreißig-und-etwas-schusselig-und-dachte-sie-würde-nie-den-Richtigen-finden-Geschichten schreiben, oder? Nein. Nein, das sind sie nicht. Eigentlich weiß ich das. Alleine deswegen schon, weil ich keine Romanzen schreibe und bei sowas sollte man vorgehen wie ein guter Astronom: Man sollte nie davon ausgehen, dass man selbst die Ausnahme ist, sondern der Regelfall.

Da wir allerdings alle einzigartige Schneeflocken sind, tendieren wir dazu, uns als die große Ausnahme zu sehen. Darum kennt jeder mindestens eine Frau, die darauf besteht, besser mit Männern als mit Frauen klar zu kommen, weil Frauen zickig und kompliziert und voll anstrengend sind. Sie ist da ja anders. Aber alle anderen Frauen nicht. Die anderen Frauen sind doof. Weil ... Frauen, amirite?

Das Gegenteil, also Männer, die behaupten, besser mit Frauen als mit Männern klar zu kommen, findet man selten. Denn das wäre ja feminin und schwul und igittigittigitt. Ich könnte hier auf den Begriff der hegemonialen Männlichkeit verweisen, was ich hiermit auch getan habe, aber ich drifte ab.

Bücher. Es ging um Bücher und ihr weibliches Äquivalent (Bücherinnen!), welche merkwürdigerweise etwas anderes zu sein scheinen als jene von männlichen Autoren. Wir begegnen hier einem Phänomen, das sowohl in Film als auch Computerspielen schon viel diskutiert wurde: Die Annahme der Marketer, dass Männer nicht in der Lage sind, sich mit Frauen zu identifizieren. Aus dieser Sicht scheint die Gleichung einfach: Wenn eine Frau über eine Frau schreibt, kann das Buch sich nur an Frauen wenden.

Wieder: Andersrum ist das alles kein Problem, weil Männlichkeit das gesellschaftliche Ideal ist und daher ohne Statusverlust auch von Frauen angestrebt werden kann. Aber Männer, die sich mit Frauenfiguren identifizieren, begeben sich in der patriarchalen Logik auf eine niedrigere soziale Stufe und das wäre ja ... ich weiß nicht. Blasphemie?

Die empathischen Fähigkeiten von Männern werden hier gewaltig unterschätzt. Genauso, wie Frauen sich auf männliche Protagonisten einlassen können, können Männer sich mit weiblichen Hauptcharakteren identifizieren. Sie werden es nur nie herausfinden, weil all die plüschigen rosa Flausch-Cover, in die "Bücherinnen" gesteckt werden, ihnen die Nachricht schicken:

Das hier ist nicht für euch.

Ich will nicht in die Romanzen-Ecke gedrängt werden, nur weil ich zufällig weiblich bin. Und selbst wenn meine Protagonisten Frauen sind, so sind sie in erster Linie vor allem eines:

Menschen. 

Und wisst ihr was? Männer sind auch Menschen, die sich sogar ab und an verlieben. Munkelt man zumindest. In diesem Sinne: Kann mir irgendwer eine gute Romanze empfehlen?

Neuen Kommentar schreiben

To prevent automated spam submissions leave this field empty.

Plain text

  • Keine HTML-Tags erlaubt.
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
CAPTCHA
Diese Frage testet, ob du ein Mensch bist oder nicht.
Q
m
g
2
z
V
Enter the code without spaces.