Das Internet ist kaputt

Wir kennen das. Wenn mal wieder jemand Google gegoogelt hat. Oder das WLAN ausgesteckt. Oder so ähnlich. Eltern haben das häufiger, ein kaputtes Internet. Kein Grund zum Aufregen. Oder etwa doch? Sascha Lobo ist zumindest ein bisschen aufgeregt. Und Morozov stimmt zu. Es gibt Grund zum Aufregen. (Oh Gott, ich kommentiere eine Feuilleton-Debatte, was ist eigentlich mit mir los?)

Nun ja, Grund zum Aufregen: Ja. Immerhin werden wir in noch nie zuvor dagewesenen Ausmaßen ausgespäht. Aber von der "vierten Kränkung der Menschheit" zu sprechen ist ein bisschen … dramatisch. Die drei Kränkungen der Menschheit haben uns (die kollektive Menschheit) dazu gezwungen, unser Welt- und Menschenbild grundlegend zu überarbeiten. Aber dass das Internet alles richtet ist keine solche Kränkung. Die nächste große Kränkung mit den kulturellen Ausmaßen, wie die anderen drei das hatten, vermute ich in der Entdeckung einer anderen gleichintelligenten Spezies.

Lasst mich das ein wenig auffalten: Technikgläubigkeit ist kein Phänomen des Digitalen. Die Mechanisierung des Menschen und des Alltags war bereits im Futurismus Anfang des 20. Jahrhunderts Hot Stuff. Die "Weil das Internet"-Argumentation, wie Morozov das so schön nennt, ist nur die Fortführung des Fortschrittglaubens mit anderen Mitteln. Das macht den Internetoptimismus der Digitalen Avantgarde oder Bohème oder welchen altbackenen Titel sie sich jetzt wieder geben wollen zu einer Ideologie wie jede andere auch. Festzustellen, dass romantische Ideologien korrumpierbar sind, ist nicht neu. Das gesamte letzte Jahrhundert bestand quasi aus endlosen Wiederholungen dieses Prozesses. Weil Leute. So funktioniert gesellschaftliche Entwicklung.

Morozov hat insofern Recht, dass er das Internet ähnlich wie den ominösen "Markt" als Geflecht ökonomischer, wirtschaftlicher, sozialer und persönlicher Interessen sieht. Das Internet ist kein "Ding", keine Entität, als Medienwissenschaftlerin würde ich ihm nicht mal den allzu schnell bemühten Titel "Medium" geben. Das Internet ist eine technische Realität. Mehr nicht.

Unser Umgang mit dieser Realität ist wie unser Umgang mit allem anderen auch von unseren Ideen geprägt. Und ich sag es ja nicht gerne, aber sowohl Kapitalismus als auch Kommunismus haben noble Ideen gehabt. Aber solche Wertekonstruktionen funktionieren auf Dauer nie. Aus immer demselben Grund: Weil Leute.

Jede Ideologie scheitert letztendlich daran, dass Leute dazu tendieren, Idiotie auszubilden, wenn man sie zu lange dasselbe machen lässt. Aber da muss man nicht gekränkt sein. Das wissen wir schon lange.

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