Deutsch zu sein bringt einem wenig

Auf Deutsch zu schreiben fühlt sich häufig ähnlich sinnvoll an, wie einen Konversationskurs in Altsächsich zu belegen. Deutsch hat laut Wikipedia gerade mal 90 Millionen Muttersprachler plus 80 Millionen Fremdsprachler. Englisch hingegen glänzt da mit 340 Millionen Muttersprachlern plus bis zu einer Milliarde Zweitsprachlern. Das nenn ich mal Marktvolumen! Und ja, Fremdsprachler sind für mich ein potenzieller Literaturmarkt, ich weiß ja, wie mein Bücherregal aussieht.

Aber es endet ja nicht damit, dass englischsprachige Autoren bereits bei der Erstverwertung ihrer Manuskripte auf einen potenziellen Markt blicken, der mehr als siebenmal so groß ist wie der deutsche. Sie haben auch wesentlich bessere Chancen, hinterher in andere Sprachen übersetzt zu werden. Denn was sich am englischsprachigen Markt bewährt hat, wird von anderen gerne übernommen.

Und ab hier drehen wir uns ewig im Kreis, denn die deutschen Autoren werden von den Verlagen mit der Begründung abgelehnt, dass der Markt übersättigt sei, was daran liegt, dass so viele Werke aus anderen Sprachen übersetzt werden, weil unerprobte Werke der deutschen Autoren so riskant zu verlegen sind. Wie zum Teufel überlebt eigentlich der amerikanische Literaturmarkt, der auf keinen anderen schauen kann, um Risiken abzuwägen? Und warum macht der deutsche es nicht genauso?

Wir kennen die Antwort. Die Antwort heißt Profit.

Das einzige, mit dem man in Deutschland überzeugen kann, sind E-Literatur und Kriminalromane mit Lokalkolorit. Aber Fantasy? Thriller? Das machen doch schon Hohlbein und Schätzing. Einen zweiten Autor braucht man in diesem Genre nicht. Zumindest nicht in Deutschland.

Und dann kommt Amanda Palmer daher und sagt: Fragt! Fragt euer Publikum! Sie werden geben. Und ich will fragen, ich will es wirklich. Ich will crowdsourcen, ich will der Hut sein. Aber ich bin kein Performer. Keiner will mir dabei zusehen, wie ich Tag für Tag meine Tastatur malträtiere. Und wen soll ich auch fragen? Eine Industrie, die nicht an ihre Landsleute glaubt? Oder meine wenigen risikoaversen und neuerungskritischen Landsleute? Würdet ihr einem Schriftsteller aufs Geratewohl Geld geben?

Wir waren einmal das Volk der Dichter und Denker. Doch wir sind feige geworden.
Jetzt sind wir das Volk der Me-Toos und Fortschrittsverweigerer. Der Ängstlichen und Restriktiven.

Es würde mich brennend interessieren, wie die Literaturmärkte in anderen Sprachgebieten aussehen. Vor allem in unseren Nachbarländern Frankreich, Polen und insbesondere in Ländern mit extrem kleinen Sprachgemeinschaften wie Niederländisch und Dänisch.

Falls also irgendwer Infos hat: Hinterlasst Kommentare, Links oder schickt mir eine Brieftaube.

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