Die Tribute von Panem - Feminist Reading #9

Mediale Gewalt

Wenn die Tribute von Panem eine Idee gut rüber bringen, ist es die, dass das, was die Medien uns glauben machen wollen, nicht die Realität ist. Was das angeht, habe ich allerdings das Gefühl, dass die Geschichte, je näher sie ans Ende rückt, immer mehr selbst persifliert.

Die Aussage resoniert im ersten Band noch am Stärksten: Was die einen amüsiert, ist das Leid derer, die vor der Kamera stehen und alles an ihnen ist gestellt: Die Persona, das Aussehen … nichts davon ist echt. Auch im zweiten Band hatte ich noch das Gefühl, dass diese Kritik aufrecht erhalten wird. Während die ersten beiden Bände noch ungefähr diese Aussage haben:

Fühlt sich der dritte Band eher an wie Wag the Dog.

Der Umgang mit Medien ist immer ein inszenierender, verklärender, vertuschender, niemals ein dokumentarischer, journalistischer, aufklärender. Die Medien als monolithisches Macht- und Verklärungswerkzeug darzustellen, stößt mir Medienwissenschaftlerin natürlich sauer auf. Aber dass die gesamte Trilogie keinen großen Wert auf differenzierte Aussagen legt, damit hab ich mich inzwischen abgefunden.

Aber das ist ein Jugendbuch und Jugendbücher dürfen ein wenig undifferenzierter sein als welche, die ein erwachsenes Publikum anpeilen. Für Jugendliche ist es sicherlich wichtiger, ersteinmal über das Täuschungspotenzial der Medien aufzuklären. Zwar wäre der souveräne und moralisch vertretbare Umgang meiner Meinung nach irgendwie auch Teil dieser Aufklärung, aber is ja kein Schulbuch, nä?

Was ich dagegen persönlich als irgendwas zwischen wahnsinnig komisch und furchtbar traurig empfinde, ist, dass man es nicht mal schafft, einen Film über die künstliche Aufbereitung echter Menschen ohne die künstliche Aufbereitung echter Menschen zu bewerben. Ich meine, ihr wollt mir doch nicht wirklich erzählen, dass Jennifer Lawrence so aussieht, oder?

Filmposter

(Tipp: Nein, tut sie nicht.)

Es ist irgendwie so eine menschliche Angewohnheit, die Schrecklichkeit bestimmter Dinge zu reflektieren und sie genau in dem Moment zu vergessen, wenn man sie selbst reproduziert. The Hunger Games hätte sich fantastisch für eine alternative Herangehensweise an Marketing geeignet. Man hätte durch Zurückhaltung auffallen können. Durch Verzicht auf Effekte. Man kann ganz bezaubernde Bilder machen, wenn man einfach nur eine gute Kamera und gutes Licht hat, es muss nicht immer Photoshop sein. Aber die Einbettung des Stoffs in unseren normalen Medienzirkus macht die ganze Aussage über die Inszenierungskraft von Medien null und nichtig und das einzige, was die ganze Chose irgendwie rettet ist Jennifer Lawrence' Weigerung, das ganze Brimborium in Hollywood ernst zu nehmen.

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