Disney's Frozen

Disneyfilme auf Genderaspekte zu analysieren sollte eine akademische Redewendung mit derselben Bedeutung wie "Eulen nach Athen tragen" sein. Disney zeichnet sich durch Tradition, will heißen: Klischees aus. Und trotzdem will ich ein paar Dinge zu Frozen und zu Disneyfilmen im Allgemeinen sagen.

Nach dem Merchandise-Superfest und den damit einhergehenden filmischen Debakeln hatte ich Disney eigentlich schon fest in der "herzlos"-Ecke verbucht. Aber mit Rapunzel und Frozen hat das Studio einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung gemacht. Das sind wieder Disneyfilme der alten Schule, wie es sie seit Mulan nicht mehr gegeben hat.

Frozen wartet dabei mit einer für Disneyfilme ganz und gar ungewöhnlichen Figurenkonstellation auf, wobei der zentrale persönliche Konflikt zwischen zwei Frauen stattfindet. Über den ganzen Film hinweg wird dabei das alte "Wahre Liebe"-Ding aufgebaut, nur um dann im letzten Moment komplett umgedreht zu werden. Was daran besonders schön ist, ist, dass wir hier eine positive Frau-Frau-Beziehung haben, für deren Mangel ich Disney noch in meinem letzten Tribute-von-Panem-Post getadelt habe.

Obwohl Disney ja schon immer problematisch war, was die Erwartungshaltung an Mädchen und junge Frauen angeht (den Haushalt schmeißen und dabei bitte auch noch singen), muss man ihnen doch positiv ankreiden, dass erstaunlich viele ihrer Filme um weibliche Titelfiguren zentriert sind: Schneewittchen, Dornröschen, Aschenputtel, Arielle, Mulan, Pocahontas und zuletzt Rapunzel, Brave und Frozen. Die Charaktere sind dabei zumindest in den neueren Filmen angenehm detailliert angelegt, auch wenn sie früher oder später gedamselt werden, um dem häufig weniger interessanten männlichen Lead die Möglichkeit zu geben, zu zeigen, was er kann. 

Aber was mich nervt, was mir so dermaßen gegen den Strich geht, ist diese gottverdammte Obsession mit Prinzessinnen. Und ja, ich hab das Marketing-Konzept verstanden. Und ja, die Rags-to-Riches-Narration, die dieses uramerikanischste aller Unternehmen da pflegt kann ich auch verstehen. Cultural heritage und so. Aber wie habe ich Lilo und ihre Schwester dafür geliebt, dass sie keine Prinzessinnen waren. Dass ihre große Schwester Hosen tragen durfte. Okay, Shorts, aber man nimmt, was man kriegt.

Selbst Merida durfte keine Hosen tragen. Und ja, sie war auch eine Prinzessin. Und auch Tiana in Küss den Frosch wurde auf Teufel komm raus in diese Rolle gezwungen. Können wir das endlich lassen? Bitte? Nicht jedes Mädchen will Prinzessin sein oder werden. Es gibt andere Karrieren, die Frauen anstreben können.

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