gut werden

Es gibt Dinge, in denen ich gut sein will:

  1. Ich will gut schreiben können.

Schreiben ist die einzige Leidenschaft, die mich jetzt über zehn Jahre lang begleitet. Es ist das, was ich will, egal, was sonst noch so kommen mag. Ich liebe Geschichten. Ich beherrsche kein anderes Medium. Daher schreibe ich. Und ich will es so können, dass die Buchstaben transparent werden und ich Menschen so direkt erreiche, dass sie nicht mehr merken, dass sie lesen. 

  1. Ich will jede Pflanze so halten können, dass sie üppig und gesund wächst.

Die Kombination aus Samen, Sonne, Erde und Wasser, die auf einmal Gemüse macht, ist das Nächste zu Magie auf diesem Planeten. Ich hatte irgendwann in meinen frühen Zwanzigern einen Aha-Moment am Kirschbaum meiner Oma. Es ist ein riesiger Baum, der den ganzen Garten dominiert und er hängt jedes Jahr über und über voll mit Früchten. Ich war inmitten meiner Reflexionsphase über soziale Gerechtigkeit, Diskriminierung, Nachhaltigkeit, Ernährung und Ethik. Und wir liefen mit unserem Eimer herum, pflückten die tiefhängenden Äste leer und ich guckte in die rotgesprenkelte Krone hinauf und dachte plötzlich: "Holy shit, this thing makes food."
Seither liebe, liebe, liebe ich es, eigenes Gemüse (Chilis *hüstel*) zu pflanzen und daher ist ein Garten, ein gesunder und üppiger Garten eines meiner Ziele.

  1. Ich will so kochen können, dass Leute mit strahlenden Augen auf und ab springen, wenn ich sie zum Essen einlade.

Essen ist so eine basale soziale Tätigkeit, dass unsere Essgewohnheiten massiv beeinflussen, wer wir sind und wie wir mit anderen Menschen umgehen. Es formt unsere kulturelle Identität und unser Bewusstsein oder Ignoranz gegenüber sozialer und ethischer Verstrickungen.
Mein Vater war immer schon ein zeremonieller Koch, der Sonntags mit Musik und Wein über Stunden und Stunden in der Küche werkeln konnte. Meine Mutter liebt einfaches, gutes Essen, insbesondere qualitativ hochwertige Grundnahrungsmittel. Es gibt wenige Dinge, die Menschen so zusammenschweißt wie gemeinsames Essen, aber eines davon ist das gegenseitige Servieren von Essen. Jemanden zu bekochen ist eine schöne Geste -- ich möchte fast sagen der Zuneigung -- und ich tue nichts lieber für meine Freundinnen und Freunde.

  1. Tanzen

Tanzen ist die Antithese zu der ganzen kopflastigen Arbeit, die ich sonst den ganzen Tag über mache. "Du hast nachgedacht. Man kann nicht tanzen, wenn man denkt", sagt unsere Lehrerin häufig, wenn eine von uns einen Fehler macht. Ich will weiß Gott nicht auf ein Profilevel. Aber ich möchte meinen Kopf so leer machen und meinem Körpergedächtnis so viel anvertrauen können, dass es einfach mal übernehmen kann.

"Dann mach das doch einfach, wenn du es willst."

Na ja, ist die Kleinigkeit aufgefallen, dass da noch keine Arbeit dabei war? Ich habe keine Illusionen, von der Schreiberei leben zu können. Das heißt: Das alles sind und bleiben Hobbies. Dazu kommt ein Haushalt, ein Studium, eine sich aus den Filamenten meines Lebens zusammenspinnende Berufslaufbahn und soziale Verpflichtungen. Und all diese anderen Freizeitbeschäftigungen wie Videospiele, Filme, Bücher, Ausflüge, das Internet … zwischen all dem Alltag geht mir irgendwie die Zeit verloren. Überhaupt, um all das zu tun, was ich gerne möchte, aber auch und vor allem, um darin gut zu werden.

Klar könnte man irgendwie alles gleichzeitig schaffen, aber das erfordert rigide Planung. Stundenpläne. Spreadsheets. Zeitmanagement. Die Gärtnereisache ist aus Platzgründen eh auf die zimmerinterne Chiliplantage und die Balkonbepflanzung begrenzt. Aber wann? Wann soll das alles passieren? Man braucht ja auch Zeit um "mal eben" und "spontan" Dinge zu tun, sonst ist man sozial eingeschränkt. Manchmal würde ich gerne all die E-Mails an einen Assistenten weiterleiten.

"Vielen Dank, dass Sie sich für die Zeit von Alena Dausacker interessieren. In vier bis sechs Wochen hätten wir wieder Kapazitäten frei, um einen Termin für Sie freizuhalten."
Manchmal wünsche ich mir Leute, die dieselben Ziele haben wie ich. Dann könnte man Soziales mit Ambitionen verknüpfen. Das würde alles einfacher machen.

Es wird nicht weniger Belastung werden. Belastung ist additiv. Es kommen immer mehr dazu. Auf einmal hat man einen Job und gibt ein Seminar und dann muss man die Masterarbeit schreiben und sich überlegen, ob eine Dissertation wirklich sinnvoll ist und Familie und Freunde und alle wohnen inzwischen irgendwo und wollen besucht sein!

Wo Prioritäten setzen, wenn alles gleich wichtig erscheint und nichts je ein Ende hat und auch nicht haben soll?
Das muss alles gut werden.

Ich muss gut werden.

Und dabei nichts und niemanden vernachlässigen.

Kommentare

besser werden

Na, zumindest den Punkt 1 kannst Du bereits mal abhaken. Viel besser kann man in Deinem Alter kaum schreiben (also, als ICH in Deinem Alter war ... ;)). Da Du weiter liest und schreibst, bildest Du Dich kontinuierlich aus. Mal schauen, wo das Ganze noch hingeht :).

Das Problem ergibt sich eigentlich nicht durch Deine immer noch überschaubare Liste an Dingen, in denen Du gut werden wirst - und von denen sind mindestens 3 ja auch noch sehr realistisch. Wie es sich mit dem Tanzen verhält, weiß ich nicht, aber dafür ist häufig die Zeit etwas knapper als für die anderen Dinge. Das Problem ergibt sich erst in der Ungeduld. Du möchtest - und das ist mir durchaus vertraut - ja nicht erst in vielen, vielen Jahren in diesen Dingen gut sein, sondern möglichst bald. Die Ungeduld also macht das Gefühl, das alles auf gar keinen Fall schaffen zu können. Auch noch neben dem Leben. Gut ist: Das Kochen und das Anpflanzen vertragen sich mit dem ganz normalen Leben prima. Einen sportlichen Ausgleich brauchst Du, und vermutlich wirst Du irgendeinen Beruf ergreifen, in dem Du schreibst - wenn auch vielleicht für Deine Herzensangelegenheiten diesbezüglich die Freizeit reichen muss.

Solltest Du nicht zwischendurch noch eine Familie gründen wollen, sehe ich da durchaus Zeit für ein, zwei Projekte mehr. Was war nochmal mit Deinen Skizzen? ;))

Ich mag diesen ganzen Elan bei Dir. Ungeduld ist super, also bitte nicht den mütterlichen Ton, den ich hier annehme, missverstehen. Ungeduld ist für alles, was Du Dir aussuchst, ein prima Motor. Es klingt ein bisschen schal, zu sagen: In 15 Jahren ist das alles so, wie Du es haben willst, aber ... seis drum: In 15 Jahren ist das alles so, wie Du es haben willst :)

Rigide Planung halte ich da für überflüssig. Eine Zeitplanung erübrigt sich, wenn Du Dir keinen Endpunkt für diese Projekte setzt. Und wieso solltest Du das auch tun?

Bevor ich hier jetzt weiter schwalle, finde ich das ausgebüxte Kind wieder und setze mich erneut an die Nähmaschine - mein aktuelles Projekt lautet: "Ich will mir meine eigenen Klamotten in passabler Ausführung selbst nähen". Gerade trage ich eine recht geglückte Hose, und ein etwas weniger geglücktes Neckholder-Top. Dank youtube belege ich jeden Tag ein- zwei kleinere Nähkurse ;). Ich bin gespannt, was Du alles noch so machen wirst! Herzliche Grüße!

Achillesferse Ungeduld

Ertappt.

Meine größte Untugend ist eine ganz schreckliche Ungeduld, die mich dazu bringt, mehr abzubrechen als durchzuziehen. Ich weiß das und kann es trotzdem nicht ändern. -__-" Im Moment fühlt sich alles an wie ein riesiger Berg und man geht und geht und der Gipfel kommt nicht näher. Manchmal denke ich, ich sollte mich einfach damit abfinden, nicht weiter zu kommen, aber ich weiß, dass das der Teufel Ungeduld auf der Schulter ist.

Aber das Aufraffen. Es fällt so schwer, wenn man so wenig echte Motivation und so viel verzweifelte Ungeduld hat. ;__;

(Kein Betreff)

Diese Situation kenne ich leider nur zu gut. Man will seit Ewigkeiten endlich mal *richtig* Objective-C und Cocoa lernen um iOS-Apps programmieren zu können. Aber mehr als ne Woche rumprobieren und immer mal wieder nen Tag lang motiviert irgend welche tollen Tutorials machen ist dabei noch nicht passiert. Ich habe leider auch noch keine Lösung gefunden wie ich das in den Griff kriege, so dass ich mich wenigstens bei irgendwas richtig verbessere.

Vielleicht sollte ich mir auch mal ne Zeit lang gezielt Gedanken machen und aufschreiben was ich wirklich umsetzen will - quasi einen persönlichen 5-Jahres-Plan aufstellen. :-)

Aber ich glaube alles gleichzeitig verbessern geht gar nicht. Wenn man richtig gewissenhaft etwas üben möchte beansprucht das Zeit. Und selbst bei so etwas intuitiv nicht kopflastigem wie Tanzen hat der Kopf ordentlich was zu tun. Die diversen Extremitäten wollen ja auch korrekt koordiniert werden. Darum sollte man sich irgendwie klar werden, was das wichtigste ist. Ich denke früher oder später kristallisiert sich das raus.

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