How to Build a Girl

Und ich melde mich zurück zum Dienst! Natürlich muss der erste Beitrag auf dem neu aufgehübschten Blog (*streichelt neues Design*) zu How to Build a Girl von Caitlin Moran verfasst werden. Denn, falls jemand es noch nicht auf Twitter mitbekommen haben sollte: Das Buch ist großartig. Und ich habe mich zu einem Zwischending zwischen Review und Feminist Reading entschieden, also es werden ein paar Spoilers drin vorkommen, vorweg will ich aber eine allgemeine Leseempfehlung aussprechen:

Lest es.
Ganz im Ernst.
Es ist großartig.

Es ist eine ziemlich klassische Coming-of-Age-Story, aber toll geschrieben. HTBAG (Ich will das "Hot bag" aussprechen) ist lustig und traurig und es erinnert einen an alles, was spannend und schmerzvoll war und immer noch ist. Es ist politisch, ohne wirklich über Politik zu sprechen, und ja, es ist ein äußerst feministisches Buch. Aber ohne sich selbst so zu benennen. Es geht um Zynismus, um Geld, um Sex (sehr viel Sex) und darum, sich selbst neu zu erfinden.

Johanna beschließt, ihr eigenes Geld zu verdienen, um ihren armen Eltern zu helfen. Hierzu versucht sie ihr Glück als Musikjournalistin in London, erfindet sich vollkommen neu und versagt sich, über die Bands zu schreiben, die sie mag, weil sie nicht wie ein Fan klingen möchte.

Es geht dabei vor allem darum, dass Twilight nicht die einzige Jungmädchenfantasie ist, die es gibt. Die Protagonistin, Johanna, träumt von Sex und Geld, von einer Karriere und Anerkennung und dem, was jeder andere Mensch auch will. Und das wagt sie, obwohl sie ein Mädchen ist. Und jetzt auf, um die feministischen Themen des Buchs anhand von Zitaten näher zu inspizieren!

v Here be Spoilers v

1. Frauen haben genauso große Träume wie Männer

… away from my genitals, I also wish to be … Noble. Profoundly noble. I wish to devote myself to a cause. I want to be part of something. […] But I don't want to be noble and committed like most women in history were -- which invariably seems to involve being burned at the stake, dying of sadness or being bricked up in a tower by an earl. I don't want to sacrifice myself for something. I don't want to die for something. I don't even want to walk in the rain up a hill in a skirt that's sticking to my thighs for something. I want to live for something, instead -- as men do.

Wie ein Schlag in die Magengrube.

Johanna liest und schreibt gerne -- zwei Hobbys, die sie trotz der Armut ihrer Eltern verfolgen kann. Sie weiß daher, dass alles, was man tut, für ein Mädchen getan wird. Und sie hat sich selbst als ihre Auserwählte auserkoren. Obwohl Johanna Erfolg hat, bleibt sie ein Einhorn, ein Einzelfall. Die Frauentoilette in der Redaktion, in der sie mit 17 beginnt zu arbeiten, wird als Lagerraum genutzt. Ihre ganze Geschichte strotzt nur so vor Männern. Die Abwesenheit anderer Frauen wird von Johanna nie kommentiert, außer mit dem pun: "there are no ladies for the Ladies". Sie ist einfach nur da. Aber sie spiegelt sich in ihren Wünschen wieder.

2. Representation matters

Hearing women singing about themselves -- rather than men singing about women -- makes everything seem suddenly wonderfully clear, and possible.
All my life, I've thought that if I couldn't say anything boys found interesting, I might as well shut up. But now I realise there was that whole other, invisible half of the world -- girls -- that I could speak to, instead.

Das. ist. relevant.
Das ist "unfortunate but a reality of game development". Nachdem die Filmproduktionsfirmen endlich den Knoten in ihrem Schlüpper gelöst und eingesehen haben, dass auch Filme mit weiblichen Hauptcharakteren Geld einspielen können, haben wir das Desaster im AAA-Gaming. Johanna ist durch und durch inspiriert von anderen Frauen. Ihren Künstlername -- Dolly Wilde -- nimmt sie in Ehren von Oscar Wildes Nichte an: ("She was, like, this amazing alcoholic lesbian who was dead scandalous, and died really young.") Sie hört am liebsten Riot Grrrl, Courney Loves "Teenage Whore" ist ihre persönliche Hymne.

Es ist einfach nicht wahr, dass es egal ist, ob und wie viele Frauen, Persons of Colour, sexuelle Vielfalt oder Menschen mit Behinderungen in den Medien dargestellt werden.

3. Frauen haben einen Sexualtrieb

I want everyone -- men, women, Minotaurs -- I read a lot of Greek mythology, and I'm out for whatever I can get -- to want to have absolute, total sex with me, right in my sex places, in the most sexual way possible. Sexually.

Das ist Johanna mit 14. Ihr Liebesleben beginnt mit 17 und sie geniest es, sie experimentiert, es ist einer der Teile ihres Lebens, das sie mitnehmen will in die weitere Entwicklung ihrer Persönlichkeit. HTBAG ist explizit, ohne pornografisch zu werden. Und ja, Mädchen in bestem Twilight-Alter haben sexuelle Fantasien. Was glaubt ihr, warum sich das so gut verkauft? ("no one else at D&ME wanted to review Take That -- 'Darling, they're just … wank-fodder for teenage girls,' Kenny said, in horror, as I nodded my head, and replied: 'Yes! And you can never have too much of that!'")

4. Frauen nehmen Sex anders wahr als Männer

In the end, I find what works is to stop thinking about what I am thinking about this particular sexual intercoursing -- mainly 'I am alarmed! This is the biggest penis of all time, surely! Quick! Call Norris McWhirter!' -- and start thinking about what he's thinking, instead. […]
In later years, I find this is called 'physical disconnect', and is all part and parcel of women having their sexuality mediated through men's gaze.

Körperlich, psychologisch, gesellschaftlich: Für Frauen ist Sex einfach anders als für Männer. Und HTBAG bringt vieles davon zum Ausdruck. Johanna agiert zudem immer in der Überlappung von Gender und Klasse: Ihre Eltern sind beide arbeitslos und ihre siebenköpfige Familie lebt vom Staat. Und das Image begleitet sie auch in jede Nische ihres Privatlebens hinein.

5. Frauendinge gut zu finden, ist nicht peinlich

'You need to see loads of girls, screaming, because that's what you are. A big screaming girl from the Midlands. You're an enthusiast, Dolly. Come and enthuse. Come and be a teenage girl again. Come and be a fan.'
I think about him saying that, now, as I scream -- like all the other girls -- at Robbie Williams. His words are like Glinda's kiss on my forehead. I'm an enthusiast, who's been pretending to be a cynic.

Es gibt viele Dinge, die gesellschaftlich keinen besonders hohen Status haben, weil Frauen die Frechheit haben, sie zu mögen. Insbesondere junge Frauen. "Teenage girls in bedrooms don't exist", sagt Johanna an einem Punkt über sich selbst und es könnte genau so gut wahr sein, wenn sie nicht ihre Spuren in den niederen Ecken der Popkultur hinterlassen würden, wo sie ihr Geld lassen. Es gibt genug Frauen, die von femininen Dingen fern bleiben, weil sie so schrecklich weiblich sind. (In jüngeren Jahren war ich in dem Aspekt auch schuldig.) Die eigentliche Message des Romans ist wohl die, herauszufinden, was man wirklich will und sich nicht der Bruderschaft der zynischen Coolness zu verschreiben, denn da kann man nur verbittern.

Es sind alles Kernanliegen des Feminismus, die hier in eine Geschichte geflochten und betrachtet werden. Es sind zum größten Teil allgemeine menschliche Anliegen und ich kann jedem -- insbesondere Männern -- ans Herz lesen, dem Buch eine Chance zu geben. Es bietet ein großartiges und vor allem unterhaltsames Beispiel für weibliche Psychologie, die nicht versucht, Erwartungen und Klischees zu erfüllen, die Mädchen im Teenager-Alter sonst so anhaften.

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