Kontext ist König

Handlung sind wichtig, aber Handlung ist mehrdeutig. Die Bedeutung einer Handlung ist abhängig von ihrem Kontext. Einfachstes Beispiel: Wenn der Bösewicht einen Guten tötet, der ihm an den Kragen will, missbilligen wir es. Wenn aber der Gute einen Bösen tötet, erachten wir das als rechtschaffen. Die Handlung ist die gleiche (ein Mensch tötet einen anderen, der seinem Ziel entgegensteht), aber der Kontext ändert sich.

Für viele, viele Minimalbeispiele kann ich den Twitteraccount @tiny_tales empfehlen. Handlung. Überraschender Kontext. Mehr braucht man nicht, um Spannung aufzubauen.

Die volle Tragweite dieses doch recht einleuchtenden Konzepts ist mir zum ersten Mal bei Dragon Age 2 aufgefallen. Verzeiht, wenn ich ein wenig herumspoiler.

Dragon Age 2 unterscheidet sich von seinem Vorgänger Dragon Age: Origins (fortan DA2 und DA:O) vor allem was potenzielles Erzählvolumen angeht. DA2 ist sehr, sehr übersichtlich. DA:O dauert gefühlt fünfzigmal so lang. Daher war ich von DA2 im ersten Moment sehr enttäuscht. Vor allem vom Endspiel. Man entscheidet sich im Laufe des Spiels für eines von zwei Lagern – Templer oder Magier – und muss die Anführer von beiden Fraktionen töten. Was bedeutet, dass es das gleiche Ende sein musste, egal, wie man sich entscheidet.

Aber irgendwas … stimmte nicht. Also habe ich einen zweiten Durchgang gespielt und zwar mit dem unlogischsten Charakter, den ich mir ausdenken konnte. Und da passierte etwas Wunderbares: Das narrative System bewegte sich – nur ein winzig kleines Stück, drehte sich nur um ein halbes Grad – und hatte mich in seinen Fängen wie ein Riesenkranken. Und das, obwohl buchstäblich dasselbe passierte.

 

Der Unterschied war der Kontext: Mein Charakter war nicht langweilig, sondern widersprüchlich und dadurch interessant. Dadurch bekam die Handlung eine andere Bedeutung. Und nur bedeutsame Handlung ist gute Handlung.

Es gibt ein Wort dafür, Handlung in Kontext zu setzen. Es heißt Framing.

Dasselbe passiert übrigens in SpecOps: The Line. Gleiche Handlung wie in anderen Shootern, anderer Kontext. Schaut euch die Extra Credits Analyse an. Oder die von Errant Signal. (Ernsthaft. Die sind sehr lehrreich.)

Was heißt das also für den aufstrebenden Storyteller? Es heißt, dass Action alleine nicht trägt. Es sind Charaktere, soziale und geschichtliche Hintergründe und Beziehungen, die Handlung in Perspektive rücken und ihr Bedeutung einschreiben.  

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