Ludologie

Der Begriff Ludologie leitet sich vom lateinischen ludus, "Spiel" ab und bezeichnet die Lehre vom Spiel. Leider bezeichnet man nicht alle Forschung, die an Spielen vorgenommen wird als Ludologie, was, wie wir gleich sehen werden, zu gewaltigen Problemen bei der Beschreibung des Forschungsgegenstands führt.

Zumindest in ihrer Frühzeit in den 90er Jahren haben sich die Wissenschaftler durch diesen Begriff von der Narratologie (der Erforschung von Erzählungen) abgrenzen wollen. Gut, Frühzeit ist ein klein wenig übertrieben, da allgemein Huizingas Homo Ludens als eines der ersten genuin spielwissenschaftlichen Werke gilt und das ist in den 1930er Jahren entstanden. Aber durch die Begriffsbildung und damit Benennung des neuen Forschungszweigs, entstand ein neues (Selbst-)Bewusstsein der Wissenschaftler und der Gegenstand konnte sich weiter emanzipieren.

Der Konflikt Ludologie vs. Narratologie begann so richtig mit dem Aufkommen von 3D-Spielen. Diese Spiele haben nämlich eine Kamera und damit die Möglichkeit zur cinematischen (d.h. an den Film angelehnten) Erzählung. Ein gefundenes Fressen für ambitionierte Literatur- und Filmwissenschaftler, die plötzlich mit ihrem ureigenen Analysevokabular an digitale Spiele herangehen konnten.

Literaturwissenschaftler, die sich an Spielen vergreifen mit ihren biederen, althergebrachten, dem Gegenstand vollkommen unangemessenen Theorien und Methoden?
Die Ludologen so:

Und die Narratologen so:

Was dazu geführt hat, dass die Ludologen wiederholt beteuert haben, dass Spiele gar keine Geschichten erzählen können und die Narratologen daher einfach nur aufgeblasene Fachidioten sind, die sich gerne an einem jungfräulichen Forschungsgegenstand vergreifen wollten. Nein wirklich. Das folgende Zitat von Espen Aarseth sagt eigentlich schon alles über die Debatte aus:

The great stake-claiming race is on, and academics from neighboring fields, such as literature and film studies, are eagerly grasping "the chance to begin again, in a golden land of opportunity and adventure" (to quote from the ad in Blade Runner). As with any land rush, the respect for local culture and history is minimal, while the belief in one's own tradition, tools, and competence is unfailing. Computer game studies is virgin soil, ready to be plotted and plowed by the machineries of cultural and textual studies. What better way to map the territory than by using the trusty, dominant paradigm of stories and storytelling?

Ja, die bösen kolonialen Narratologen, die die Heimat der Ureinwohner vom Stamm der Ludologen besetzen. Tatsächlich haben sich Ludologen in der Vergangenheit unfassbar verrenkt, um insbesondere digitale Spiele so zu definieren, dass sie auf keinen Fall Narration beinhalten können, was zu sehr ... unbrauchbaren Definitionen geführt hat.

Aber lassen wir die Vergangenheit ruhen. Inzwischen muss man der Tatsache ins Auge sehen, dass Videospiele erzählen und einige davon tun das sogar sehr gut. Das Medium ist halt nicht nur das digitale Äquivalent zum analogen Spiel, es ist mehr. Spiel und Narration, einträchtig nebeneinander. Das ist es, was Videospiele so aufregend macht.

Sind ludologische Ansätze also überhaupt zu gebrauchen? Ja. Ja, sehr. Spiele haben tatsächlich wahnsinnig viele Eigenschaften und Mechanismen, die sich mit herkömmlichem Vokabular nicht greifen lassen. Ludologisch sind also alle Analysen, die man aufgrund genuin spieleigener Elemente macht, die andere Medien wie Film und Literatur nicht aufweisen.

Wen ich zur Einstiegslektüre in ludologische Fragen empfehlen kann:

  • Espen Aarseth
  • Jesper Juul
  • Katie Salen / Eric Zimmerman (Rules of Play, großartiger Grundlagentext)
  • Jane McGonigal (Reality is Broken, geht mehr in Richtung Kulturwissenschaft)
  • Die Spielanalysen von Errant Signal sind sehr fundiert und stellen häufig ludologische Beobachtungen auf

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