Mangophobie

mango, mangonis (lat, mask.) -- betrügerischer Verkäufer

Ich bin ein optimistischer Mensch. Eigentlich. Meistens.
Na gut, vielleicht ist optimistisch ein bisschen viel gesagt. Gibt es ein Wort für "trotzig das Gute wollend"? Das würde mich ganz gut beschreiben. Trotz allem Trotz bin ich aber auch ein ängstlicher Mensch und es gibt nichts, was mir beim Thema Buch so viel Angst macht wie Marketer.

Ich will an die Professionalität und an die Erfahrung anderer Menschen glauben. Daran, dass die kein gehobenes Interesse daran hätten, mich zu melken und übers Ohr zu hauen. Aber es fällt mir schwer. Man hört Geschichten. Gerüchte. Der Verlag hat das letzte Wort bei Covergestaltung, Titel und Klappentext. Das letzte Wort. Tatsächlich sind das die ersten Worte, die ein Leser vom Buch zu Gesicht bekommt. Und es sind die des Verlages, nicht die der Autorin.

"Aber das sind Profis. Die wissen, was sie tun", sagt die innere Stimme mit einem schmallippigen Lächeln und klopft mit aufmunternd auf die Schulter.
Dieselben Profis, über die ich mich beim Bücherkauf aufrege? Ich weiß es nicht. Ich habe auch gute Geschichten gehört. Ich sehe auf Twitter, wie Autoren die ersten Entwürfe ihrer Cover feiern. Ich liebe die Jugendstil-angehauchten Cover der Loewe Jugendbücher. Aber das ist Loewe. Das sind Jugendbücher. This is not for you, wispert der innere Danielewski.

Schaut man sich die Fantasy-Regale an, schauen die immergleichen Männer in Kapuzen zurück, die Waldszenen und wirkungsvoll in Szene gesetzten Hieb- und Stichwaffen. Die immergleichen Titel: Das Etwas der Etwas. Die Verwandte von Irgendwem. Die Berufsbezeichnung. Das unerwartetes-adjektiv Artefakt.
Das Vokabular sagt Mittelalter, Magie und Mythen. Ist das aber nicht das, was Fantasy gemeinsam hat? Sollte man sich, wenn man sich schon in einem Genre verortet hat, nicht hervorheben statt einreihen? Oder ist Fantasy tatsächlich so oberflächlich? So vollkommen verliebt ins eigene Worldbuilding, dass sie es verpasst, ihre Distanz zur Realität zur Kritik zu nutzen?

Ich kenne die Antworten. Einfach verkauft sich besser als komplex. Bekannt besser als neu, ähnlich besser als anders. Werbung muss knapp sein, mit einem Blick erfassbar, jedem verständlich und innerhalb der minimalen Aufmerksamkeitsspanne Interesse erzeugen. Das heißt, das Werbung die direkte Antithese zum Roman ist. Kein Wunder, dass ich Angst vor Marketern habe.

Die Angst vor Marketern ist Angst vor Kitsch und Käse, vor unpassenden Titeln, vor irreführenden Klappentexten und dem Immergleichen. Ich frage mich nur, ob Marketing in dieser Form ein notwendiges Übel ist oder ob man die Außengestaltung von Büchern nicht auch noch mal überdenken könnte. Zumindest finde ich solche Ideen wie die Book-Blind-Dates extrem interessant.

Was meint ihr? Wie könnte man Bücher ehrlicher schmackhaft machen als mit einem vor Klischees nur so triefenden Klappentext? Welche Art von Covern würdet ihr gerne im Fantasy-Regal sehen? An die Schreiberlinge von euch: Kennt ihr die Angst, irreführend beworben zu werden?

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