Midwife-Crisis

Maria rannte mit blutigen Händen und einem Lächeln auf den Lippen. Wieder drei Leben gerettet.

Sie hörte die Stimmen ihrer Verfolger, die Hunde und Sirenen. Aber sie war schnell. Schneller als die meisten Männer zu Fuß. Und auf die Dächer konnten ihr weder Hund noch Wagen folgen. Mit einem Sprung setzte sie über eine Mauer, erhöhte ihr Tempo noch einmal, um dann mit Schwung eine Hauswand am Regenrohr zu erklimmen.

Parkour war der erste Teil ihrer Ausbildung gewesen, noch bevor sie ihr eigentliches Handwerk erlernt hatte. Mit acht Jahren hatten sie und ihre Schwestern begonnen. »Es ist schwerer für Frauen«, hatte ihre Lehrerin Zoë, eine winzige Französin mit Schultern wie Linda Hamilton in Terminator 2, damals gesagt. »Unsere Gewichtsverteilung ist ungünstiger. Wir bauen nicht so leicht Sprung- und Oberkörperkraft auf wie Männer. Aber da müsst ihr durch.«
Maria zog sich auf das Dach.
Jede einzelne Stunde Training war es wert gewesen.

Heute Nacht waren es Zwillinge gewesen und die Eltern hatten es nicht einmal gewusst. Zu keiner der Vorsorgeuntersuchungen waren sie gegangen. Zu teuer. Es waren immer die Ärmsten, die sie brauchten. Mary hatte manchmal ein schlechtes Gewissen, wenn sie Geld von diesen Menschen nahm. Aber die meisten sparten darauf, sie bezahlen zu können. Sie waren so dankbar. Und Mary war immer noch günstiger als jedes Krankenhaus.

Sie war Hebamme. Illegal.

Es hatte mit den Versicherungen angefangen, die den Berufsstand in den Ruin getrieben hatten. So viel Geld, wie man als Hebamme nehmen müsste, um legal zu praktizieren, konnten die meisten Eltern nicht bezahlen. Dann kamen die Erhöhungen der Preise in den Krankenhäusern, bis eine professionell begleitete Geburt nur noch für die Reichen und Schönen erschwinglich blieb. Arme Frauen bekamen ihre Kinder zuhause, meistens nur mit wohlmeinenden Verwandten zur Hilfe. Die Todesrate von Müttern und auch Kindern war zwischenzeitlich unerträglich geworden. Dies war die Geburtsstunde der Schwesternschaft gewesen.

Maria sprang über die Lücke zwischen zwei Dächern, rollte sich ab und rannte weiter. Immer noch Gebell hinter ihr. Verdammt, die Tölen rochen das Blut. Sie hatte keine Zeit gehabt, sich sauber zu machen.

Manche verachteten die Schwesternschaft, weil sie sich mit Geld aus dem südamerikanischen Drogenhandel finanzierte. Aber den werdenden Eltern war es, wenn es hart auf hart kam, egal, wer die Ausbildung der Schwestern in den entlegensten Ecken Chinas, Afrikas und Sibiriens finanzierte. Am Ende des Tages waren sie diejenigen, die ihnen ihr Neugeborenes in die Arme drückte und sagte: »Sie werden beide durchkommen.«

Sie waren Heldinnen. Geburts-Ninjas. Meisterinnen ihrer Zunft.

Und verdammt schwer zu fangen.

Maria musste von den Dächern herunter, hier war kein Weiterkommen. Sie ließ sich fallen, packte einen Fenstersims, um von dort aus weiter hinunter an die gegenüberliegende Hauswand zu springen. Ihre Hände hinterließen immer noch blassrote Abdrücke, aber der Putz puderte ihre klebrigen Finger und erleichterte ihr die Arbeit.

Die letzten Meter musste sie ohne Zwischenstop hinunter. Obwohl sie sich abrollte, schoss der Schmerz des Aufpralls durch ihren Körper. Sie brauchte ein Safehouse. Und sie musste die Hunde loswerden. Humpelnd schleppte sie sich zu einem Brunnen. Die Anlage war über Nacht abgeschaltet, aber das Becken hielt immer noch ausreichend Wasser, um sich waschen zu können.

Immer wieder sah sie über ihre Schulter, um zu prüfen, ob ihre Verfolger zu ihr aufgeschlossen hatten. Hastig säuberte sie Arme und Gesicht, die Körperteile, die die Schürze nicht abgedeckt hatten. In was für einer Welt leben wir eigentlich, dachte sie zum tausendundelften Mal, dass man dafür bestraft wird, ein Kind gesund zur Welt zu bringen?
Sich darüber aufzuregen war ungefähr so effektiv wie über die globale Erwärmung zu schimpfen: Es schien recht eindeutig, dass es nicht so sein sollte, aber niemand fühlte sich dazu berufen, die Notbremse zu ziehen.
Na ja, nicht ganz niemand. Sie war die Notbremse. Sie und ihre hunderten und tausenden Schwestern, die mit ihr durch die Nacht sprinteten, immer auf dem Weg zur nächsten Einsatz.

Stimmen. Lichter. Maria lief los, ohne sich nochmal umzudrehen.

»Ihr werdet lernen, sehr schnell zu rennen«​, hörte sie Zoë​s Stimme in Erinnerungen. »Denn ihr werdet nicht nur um euer Leben rennen. Ihr rennt um hunderte.«

Gab es einen besseren Grund zu rennen?

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*epische Trailer-Stimme an*

In a world where midwives are the new gangsters …

Ein kurzer Text, der die ausufernden Kosten für Geburten und Hebammen auf die awsomste Spitze treibt, die man sich vorstellen kann:
ACTION-HEBAMMEN!

Ich weiß auch nicht, warum mein Kopf auf solche absurden Szenarien kommt. Ich muss einfach eine blühende Fantasie haben.

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