Okay, dann halt noch mal Frozen

Mir wurde aufgetragen, diesen Artikel zu lesen und meinen Senf dazu abzugeben. Los, lest ihn! … Wenigstens überfliegen? Okay? Moment, ich geb euch noch mal ein paar Minuten …
Fertig?
Okay, legen wir los.

Die kurze Antwort ist: Ich stimme zu. 

Ich hab meinen eigenen kurzen Beitrag zu Frozen damals recht kurz gehalten und lobend eine gute Beziehung zwischen zwei Frauen erwähnt. Aber ganz ehrlich konnte ich mich dem Enthusiasmus, den andere dem Film entgegenbringen, nicht anschließen.

Frozen ist in vielerlei Belang faul erzählt. Der Film sagt zum Beispiel mehr als dass er zeigt und viele der Beziehungen zwischen der Charaktere werden als gegeben vorausgesetzt, ohne dass wir sie wirklich selbst begreifen können. (Warte. Kristoff wurde von den Trollen großgezogen? Was? Warum? Hä? Wie konnte Anna die Liebe zu ihrer Schwester zehn Jahre oder so aufrecht erhalten, wenn sie während der Zeit kein Kontakt hatten?!?!) Die narrative Motivation basiert fast ausschließlich aus fehlender und Misskommunikation, was ein persönlicher Pet Peeve von mir ist. Das ist so unglaublich faul, ich KANN einfach nicht! Alle Mentorfiguren sind Idioten, also sowohl der Trollkönig als auch Annas und Elsas Eltern, die unfassbar blöde Ratschläge geben.

Feministisch ist das Ding ein mittelgroßer Fail. Warum, werde ich nicht mehr groß erörtern, das hat die Dame in dem anlassgebenden Artikel schon ganz gut herausgearbeitet.

Alles in allem war der Film einfach zu voll. Die Geschichte, die erzählt werden sollte, war für den Rahmen zu viel und ist darum zu schnell und zu oberflächlich erzählt worden. Das schadet den wohlmeinenden Intentionen, die Disney ganz offensichtlich hatte (auch wenn Elsa ursprünglich Bösewichtin werden sollte und die Entscheidung, sie als Gute darzustellen nach allem, was ich gelesen habe, wohl von der Produzentenseite kam, weswegen der Film, wie ich finde, sich auch irgendwie merkwürdig anfühlt). 

Es geht um zwei Frauen, aber nicht so richtig. Sie sollen beide mit Stärken dargestellt werden, aber in der Verworrenheit des Plots müssen sie extreme und bei genauem Hinsehen vollkommen hirnrissige Entscheidungen treffen. Was Annas Stärken sein sollen, hab ich ehrlich gesagt ohnehin nicht verstanden. Elsa kommt zu kurz (vor allem weil ich ihr Charakterdesign liebe, liebe, LIEBE), ihre Beziehung zu ihrer Schwester kommt zu kurz und das, obwohl sie der interessantere Charakter gewesen wäre, um die Narration zu tragen.

Frozen hat darüber hinaus Probleme mit Repräsentationsaspekten (googelt mal "Frozen Saami" und lest euch die Debatte durch) und wie ich finde viel verschenktes Potenzial im Production Design. Beim ersten Lied dachte ich mir noch: "OMG YES!" und der Rest war eine generische Musical-Pop-Nummer nach der anderen ohne das wundervolle Lokalkolorit der skandinavischen Kultur, egal wie ohrwurmig Let it go ist. (Ich hätte mir ohnehin mehr skandinavische Einflüsse gewünscht. Die haben großartige Folk-Melodien und vor allem wie ich finde eine wunderschöne Tradition für Female Vocals, die sich ästhetisch vom standard-europäischen Mischmasch abhebt und genau den Gänsehaut-Faktor bei Gollum's Song (gesungen von einer Isländerin) ausmacht.)

Frozen ist voll von guten Ideen und Intentionen, aber keine ist wirklich bis zur Endkonsequenz durchgedacht und im Konglomerat ist das alles ein bisschen haarsträubend.

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