Pepper Potts und das "I looked into the TARDIS"-Syndrom

Ich habe IRON MAN 3 gesehen!
...
Habt ihr Iron Man 3 gesehen?
Oh Gott, habt ihr Iron Man 3 gesehen? Ja, was soll man dazu noch sagen ... Ich erspare euch jetzt mal mein zerschmetterndes Qualitätsurteil, da der Film es nicht wirklich wert ist, über ihn als Ganzes zu sprechen. Aber ich wäre nicht die mustersuchende Medientheoretikerin, die ich nun mal bin, wenn mir nicht eine Krankheit aufgefallen wäre, die viele weibliche Charaktere in der Popkultur zu befallen scheint. Ich nenne sie: Das "I looked into the TARDIS"-Syndrom.

Für diejenigen von euch, die wie ich bisher um Doctor Who herum gekommen sind, hier der Ausschnitt, auf den ich mich beziehe. Nehmt euch die vier Minuten, er ist ziemlich cool.

Vielleicht wäre mir die Verbindung nicht aufgefallen, wenn ich nicht kurz zuvor schon mal über die Pseudo-Ermächtigung von Pepper Potts in Iron Man 3 gelesen hätte, wobei ich leider den Artikel nicht mehr finde. Aber auch Anita Sarkeesian weist in der 2. Episode von "Tropes vs. Women in Videogames" auf dieses merkwürdige Endboss-Power-Up von ansonsten hilflosen Prinzessinnen hin.

Rose Tyler in Dr. Who ist im Großen und Ganzen dafür da, den Doctor anzuhimmeln, Eifersuchtsdramen zu produzieren und sich in Schwierigkeiten zu bringen, damit sie hinterher gerettet werden kann. Nur in dieser einen, dieser wundervollen Folge, scheißt sie einmal zurecht auf alle Warnungen und macht etwas von tatsächlichem Nutzen. Die Superkräfte, die sie dadurch entwickelt, dass sie in die TARDIS geschaut hat, würden sie jedoch letztendlich umbringen, weswegen der Doktor -- große Überraschung -- sie durch ein eigenes Opfer seinerseits retten muss.

In Iron Man 3 hat sich Pepper Potts hingegen keine der beiden Male, die sie tätlich in das Geschehen eingreift, selbst dafür entschieden: Einmal steckt Tony sie in den Iron-Man-Suit, um sie zu schützen, einmal bekommt sie vom Bösewicht die genetische Mutation zugefügt, durch die sie zu einer glühenden Göttin wird. Ganz ehrlich: Andere Leute zerreißt das Zeug, Pepper hingegen kommt damit super klar. Trotzdem wird kein großes Aufheben darum gemacht, dass Tony ihr diese Kräfte wieder wegnimmt.

Die Charaktere bekommen ihre Superkräfte beide Male von einer äußeren Quelle aufgezwungen. Das ist noch keine Besonderheit, da die meisten Superhelden ihre Fähigkeiten durch den (Vorsicht Metapher) radioaktiven Spinnenbiss erhalten oder sich erst aufwändige Gadgets wie den Iron-Man-Suit bauen müssen. Im Gegensatz zu ihren männlichen Gegenparts, werden diese Kräfte bei den Frauen jedoch als gefährlich bis tödlich dargestellt, sodass sie davon befreit werden müssen. Eine "damit-klar-kommen-und-lernen-es-zu-kontrollieren"-Narration wie bei den männlichen Superhelden findet nicht statt.

Vielleicht ist das "I looked into the TARDIS"-Syndrom auch nur eine Nebencharakter-Krankheit. Fällt irgendwem eine Instanz eines männlichen Charakters ein, der daran erkrankt?

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