Pink is not the Problem

tl;dr

Ich habe dieses Video schon drölfzigtausendmal verlinkt und ich werde es auch drölfzigtausend weitere Male tun, denn ich finde, dass es etwas sehr Wichtiges kurz, knapp und kurzweilig präsentiert. Aber ich möchte es hier dennoch noch mal in geschriebenem Wort und in Deutsch niederlegen.

Tatsächlich will ich dem Kind einen Namen geben und sein Name sei: Misogynie zweiter Ordnung. (Wenn es schon einen schlauen Namen in der Fachliteratur für das spezifische Phänomen gibt, so teile man ihn mir mit! Ich habe ein wenig akademischen Feminismus geschnuppert, aber nicht viel. D:)

Also, los geht es: Warum Pink nicht Satan ist und ich verdammt gute Sandwiches mache.

Misogynie erster Ordnung

Feminismus richtet sich ja gegen jegliche Form von Diskriminierung aufgrund geschlechtsspezifischer Merkmale oder Identitäten, aber ganz, ganz am Anfang hatte er einen sehr klaren Gegner: Misogynie. Misogynie ist Frauenfeindlichkeit oder Frauenhass und anders kann man es sich eigentlich nicht erklären, wenn die Hälfe der Bevölkerung weitgehend vom öffentlichen Leben ferngehalten wird. Misogynie erster Ordnung, wie ich es hier nenne, beschreibt die Benachteiligung und Verachtung von Frauen an sich als Menschen.

Wenn ich mir das aus einer (laienhaften) anthropologischen Perspektive erklären müsste, würde ich sagen, dass das daher kommen könnte, dass Frauen an sich sehr geschätzt waren, aber dass kleine Gemeinschaften sich nicht endlos inzestuös aneinander vergreifen wollten. Viel besser, wenn Frauen zwischen Stämmen einfach ausgetauscht und als Kriegsbeute eingesackt werden könnten, um den Genpool frisch zu halten. Was passiert ist. Weswegen man zu seinen Schwestern und weiblichen Freunden besser eh keine enge Bindung aufbaut, weil die mit ihrer Geschlechtsreife eh entführt oder an den Nachbarstamm verschachert werden. Psychologischer Schutzmechanismus der Männer in patrilokalen (= die Männer bleiben zuhause, die Frauen gehen zum Heiraten) Gesellschaften sozusagen. Ist aber nur meine kleine Theorie, wie Misogynie entstanden sein könnte. (Eigene Ideen? Kommentare!)

Generell lässt sich meine weniger historisch interessierte Meinung zu Misogynie und allem Sexismus wie folgt ausdrücken:

What the fuck is this shit?!

(Diese männliche Peacock-Spider hat seinen weiblichen Gegenpart sehr lieb und respektiert ihn so sehr, dass er einen kleinen lustigen und sehr entsetzt aussehenden Tanz für sie macht.)

Misogynie zweiter Ordnung

Misogynie zweiter Ordnung beschreibt die Verachtung und Benachteiligung von allgemeinen menschlichen Verhaltensweisen, Gefühlen, Persönlichkeitsmerkmalen, ästhetischen Vorlieben etc., die als feminin codiert sind. Schlüsselwörter sind hier allgemein und codiert: Fürsorge, Gesprächigkeit, Emotionalität … das sind Merkmale, die Personen allerlei Geschlechtsidentität ausbilden können, sie sind nur gesellschaftlich als feminin codiert und damit guilty by association. Das heißt, dass Weiblichkeit in Körper und in Verhalten und Vorlieben gesellschaftlich minder geachtet bis verachtet wird. Darum sind Jeans und T-Shirt für Frauen okay, Röcke und High Heels für Männer aber tabu. Hier überlappt Misogynie stark mit Diskriminierung homosexuellen Männern und Transfrauen gegenüber.

Es ist Misogynie zweiter Ordnung, wenn Frauen, die traditionelle Geschlechterrollen für sich ablehnen, jene angreifen, die sich dafür entschieden haben, Hausfrau und Mutter zu werden. Es ist Misogynie zweiter Ordnung, dass es okay ist, einem Mädchen einen Fußball zu schenken, aber die Eltern schier ausflippen, wenn man ihrem Sohn einen pinken, fluffigen, glitzernden Feenzauberstab schenkt. Es ist Misogynie zweiter Ordnung, wenn Alice Schwarzer Frauen mit großen Brüsten als "Milchkühe" bezeichnet. (Yes, I went there.) Kurz gesagt: Misogynie zweiter Ordnung ist für mich, wenn man alles, was dem "klassischen" (westlichen, weißen, 50er-Jahre) Frauenbild entspricht, scheiße findet.

Pink

Wie man unschwer an meinem Blog erkennen kann, bin ich ein großer Freund von Pink. Ich trage manchmal Pumps. Ich trage sehr gerne Kleider und Röcke, habe lange Haare und ja, wie Lotso bestätigen kann, mache ich manchmal Männern Sandwiches. (Sehr gute Sandwiches. Mit Avocado und Paprika und Sahnegouda. In der Pfanne. Omnomnom.) Trotzdem kommt kein SWAT-Team muskulöser Frauen mit geschorenen Haaren in meine Wohnung gestürmt, um mir meine Feminist-Card wegzunehmen. Ich tue all diese Dinge aus einem Grund: Weil ich sie mag. Und das ist ja eigentlich das Kernanliegen des Feminismus: Du darfst mögen und machen, was du willst, egal, welches Geschlecht, welche Sexualität und welche Genderidentität du hast.

Pinkes Spielzeug ist nicht inhärent böse. Pinkes Spielzeug ist nur nicht exklusiv für Mädchen. Pinkes Spielzeug ist für alle.
Röcke und Kleider sind nicht böse, sie sind für all jene, die sie mögen.
Hausfrau/-mann/-mensch sein ist nicht automatisch die Aufgabe des eigenen Lebens. Wenn es eine bewusste, freiwillige Entscheidung ist, ist das genauso gut wie alles andere.
Make-Up ist nicht Dresscode der antifeministischen Hölle.

Trotzdem kritisiere ich rosa Für-Mädchen-Spielzeug. Weil es für Jungs ein Danielewskisches "This is not for you" transportiert, weil es Klischees festigst, weil Mädchen, die gerne mädchenhaft sind, aber kein Rosa mögen, keine Alternativen angeboten bekommen, außer mit Dingen zu spielen, die "für Jungs" codiert sind.

Aber Rosa ist nicht das Problem. Rosa ist nur eine Farbe. Das Problem ist das Stigma, das transportiert wird, die Einschränkungen, mit denen Kinder sich in der Identitätsbildung konfrontiert sehen. Und dass ich keine Hose ohne Strasssteine auf dem Hintern finde.

Ich möchte mich mit diesem es noch mal auf den Punkt bringenden Tumblr-Post (Bunte Bilders!) verlassen. Denn am Ende der Geschichte sollte immer ein Kuchen stehen.

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Kommentare

(Kein Betreff)

Ich bestätige hiermit offiziell das mit den Sandwiches (inklusive deren Qualität). Irgendwann revanchiere ich mich dafür. :D

Sonst: Schön geschrieben, bringt den Sachverhalt sehr genau auf den Punkt. Auch wenn ich zur Misogynie-Frage leider keine eigene Theorie habe/haben will. ( ͡;° ͜ʖ ͡°;)

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