Rücksitzfahrerin

Mein ganzes Leben lang bin ich auf dem Rücksitz gefahren. Das ist so bei jüngsten Töchtern. Oder auch nur bei den kleinsten, wenn die neue jüngste einen überholt hat. Und ich hasse es, auf dem Rücksitz zu fahren. 

Die Akustik ist schrecklich auf dem Rücksitz. Man hört nicht einmal, was Fahrer und Beifahrer für Ziele miteinander ausmachen, in ihrer Tonblase jenseits der Kopflehnen, im Land der Kupplungen, Gangschaltungen, Bremsen und Lenkräder.

Man sieht nicht, wo es hingeht, auf dem Rücksitz. Man sieht die Landschaft immer nur vorbei ziehen, nie auf einen zu kommen. Man kann nichts antizipieren auf dem Rücksitz, nur akzeptieren.

Man steuert nicht, wenn man auf dem Rücksitz sitzt, man nimmt nur teil. Selbst wenn der Wagen rückwärts fährt, kann man lediglich den Kopf einziehen und den Fahrern so die Sicht freihalten.

Ich hasse es, auf dem Rücksitz zu fahren. Beziehungsweise gefahren zu werden.

Dann kauf dir doch ein eigenes Auto, sagen sie. Dann bist du der Fahrer. Dann geht es nach deiner Nase. Nach deinem Gusto. Und die Musik darfst du auch bestimmen.

Ich bin mein ganzes Leben auf dem Rücksitz mitgefahren. So lange, dass ich, ohne es zu merken, angefangen habe, Autos zu hassen.

Kauf dir doch ein eigenes, sagen sie.

Danke, sage ich, aber da gehe ich lieber zu Fuß.

Dann sieht man auch mehr von der Landschaft

Sonne, die im Nebel spielt.

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Kommentare

Beifahrersitz

Ich habe also doch keine schlechten Ohren, man hört wirklich nichts von dem, was vorne gesagt wird! Danke für diese Bestätigung meiner funktionierenden Hörorgane.
Als Kind musste ich natürlich auch immer hinten sitzen (vorne sitzen ist gefährlich!), aber sehr langweilig wurde mir nicht, ich durfte nämlich immer mein tragbares KASSETTEN-Radio (mit Mikrophon!) mitnehmen und alle meine Disney-Kassetten hören. Außerdem hatte ich beim Ausparken stets die wichtige Aufgabe, zu gucken ob "frei ist". Als meine Schwester geboren wurde, hatte ich hinten dann immer jemanden zum angucken, Geschichten erzählen oder kitzeln. Und irgendwann, dachte ich mir, irgendwann darfst du vorne sitzen und sie muss gucken ob "frei ist".
Jetzt fahre ich fast nur noch selbst Auto, und wenn man das eine Weile macht, wird es unerträglich auf dem Beifahrersitz zu sitzen.
"Nein, was tust du da?!" "Brems doch!" "Ah, die Kurve!", denke ich dann immer, weil ich es nicht mehr gewohnt bin, nur zu akzeptieren, wie du so schön sagst.
Das letzte Mal, dass ich länger hinten sitzen musste, war auf einer Fahrt mit den Schwiegereltern zu den Eltern der Schwiegermutter (400 km Fahrt mit 2 Stunden Stau). Im Auto: Schwiegervater: 2,01 m, Schwiegermutter: 1,85 m (vorne), Freund: 1,99 m, Schwager: 1,95 m, ich: 1,77 m (hinten).
Das Ganze 6 Stunden. Und dann, 2 Tage später, wieder nach Hause. Danach bin ich froh, wieder selbst am Steuer zu sitzen.
Aber du hast Recht: Zu Fuß hat man eindeutig die beste Aussicht!

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