Twitter: @Replies

Ein paar technische Details vorweg: @Replies -- oder @Antworten in der orkwordenen¹ deutschen Lehnübersetzung -- sind Tweets, die mit einem @+NutzernameDesAngesprochenenTwitterers beginnen. Die Praxis ist aus der Communitiy gewachsen und wurde schließlich technisch in Twitter integriert. Inzwsichen kann man bei einem Tweet auf "Antworten" klicken und es öffnet sich ein Textfeld mit dem entsprechenden @Usernamen. Zu lesen sind @Replies entweder in der eigenen Timeline oder im "Verbinden"-Tab von Twitter. 

Gut zu wissen: @Replies von Leuten, denen man folgt, an Leute, denen man nicht folgt, tauchen nicht in der eigenen Timeline auf.

Soviel zur Theorie. Bevor man jedoch munter jeden Tweet von allen Verfolgten munter kommentiert, sollte man jedoch kurz in sich gehen und darüber sinnieren, in welchem Medium man sich befindet, wer die "Person" ist, mit der man eine Interaktion initiiert und ob man tatsächlich verstanden hat, was in dem Tweet steht, den man kommentiert.

Eine Milliarde Monologe

Twitter ist ein merkwürdiges, ein zutiefst merkwürdiges Medium. Es ist keine zielgerichtete Kommunikation, mehr Broadcasting als alles andere, manche benutzen es als News-Aggregator, manche als Selbstdarstellungsplattform, manche zu Werbezwecken. Wenn ein Dialog zwei Monologe sind, die gegeneinander prallen, dann ist Twitter eine Milliarde Monologe, die gegeneinander prallen. Das heißt aber auch, dass man in der Regel keine Antwort auf einen Tweet erwartet, es sei denn, man ruft explizit dazu auf. Selbst die meisten Fragen auf Twitter sind rhetorischer Natur. Interaktion erwartet man in Form von Favoriten und Retweets, Minimalanerkennungen und Validierungen, die keine Eigenaussage tätigen als eben dies: Wahrgenommen und für gut befunden.

Wer schreibt?

Tut mir leid, eure Illusion zerstören zu müssen, aber auf Twitter treiben sich nicht nur Privatmenschen herum. Magazine, Fernsehsender und Unternehmen, Stars, Politiker und öffentliche Einrichtungen tendieren dazu, nicht auf fremdinitiierte Kommunikationsversuche einzugehen. Entweder, weil sie gar kein Interesse daran haben und nur auf Twitter sind, weil ihr Social Media Berater sie dazu verdonnert hat, oder weil sie derartig von Interaktionen überschwemmt werden, dass sie unmöglich auf jede einzelne reagieren können. Es kann natürlich auch sein, dass ihr Kommunikationsstratege gar nicht erst damit gerechnet hat, dass Leute tatsächlich mit ihnen reden wollen und die Medienpersona gar kein Modus "Dialog" hat. Dann folgt auf eine Rückfrage nur betroffenes Schweigen.

Zusätzlich zu professionell genutzten Twitter-Accounts gibt es auch noch die Leute, die sich einfach zu schade dafür sind. Weil sie irgendwelchen Statistiken über ihren Twittergebrauch nachrennen und sich besonders toll fühlen, weil sie viele Follower oder viele gefavte Tweets haben. Die sind ein bisschen wie die Goths unter den Twitterern, die sich als "offiziell zur Szene gehörig" fühlen und nur arrogant über dich hinweg sehen, wenn du nach der Uhrzeit fragst. Nur, weil du schwarz trägst, gibt dir das noch lange nicht das Recht, mit ihnen zu reden!

Kontext, Baby!

Meine goldene Regel für das Schreiben und Abschicken einer @Reply lautet: Kenne deinen Kontext. Tweets bestehen aus maximal 140 Zeichen, da kommt es schon mal zu einseitigen Beobachtungen oder mehrdeutigen, unspezifischen und nicht ganz leicht verständlichen Aussagen. Das hier sind die Dinge, die ich mir vergegenwärtige, wenn mir der Gedanke, eine @Reply zu schreiben, durch den Kopf gehen:

  1. Wenn du den Tweet nicht verstehst, schreibe keine @Reply, es sei denn er ist an dich gerichtet.
  2. Lese den Tweet genau durch. Hast du ihn richtig verstanden oder gibt es mehrere Lesarten?
  3. Wer ist der Twitterer? (Hat er evtl. einen Blog, auf dem er mehr zum Thema sagt? Kann/wird er deine Antwort wahrnehmen?) 
  4. Folgt der Tweet einem Schema, das er häufiger benutzt?
  5. Ist der Tweet ernst gemeint?
  6. Bezieht sich der Tweet auf etwas, was der Twitterer vorher geschrieben hat?

Es gibt nichts Schlimmeres auf Twitter, als von unreflektierten @Replies zugespammt zu werden. Es entspricht nicht der Kommunikationskultur dort, tiefgreifende Diskussionen zu führen oder Standpunkte zu verteidigen oder triviale Scherze noch einmal zu erklären, weil einer der Follower es nicht verstanden hat. 

Merke dies: 95% der Kommunikation auf Twitter ist höchstgradig unwichtig. Lass dich davon nicht verrückt machen!
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¹Semi-geglückte Eindeutschung von "awkward" für den Hausgebrauch

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