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Transmedia Game Culture -- Sitzungen 2 und 3

Akademische Definitionen sind ein guter Prüfstein für den Fortschritt von Studierenden. Definitionen sind für uns GeisteswissenschaftlerInnen wichtig. Einfach, weil unsere Gegenstände flüchtig, schwammig und ungreifbar sind. Wir müssen wissen, worüber wir sprechen, wenn wir allgemeine ästhetische und kulturelle Phänomene versuchen zu beschreiben. 

Wir haben uns in den letzten beiden Sitzungen mit Definitionen von Spiel und Transmedia beschäftigt. Transmedia ist, unüberraschenderweise, der einfachere Begriff. Es ist ein Fachbegriff, der gezielt konstruiert wurde, um ein spezielles Phänomen zu beschreiben: Die Verteilung medialer Texte auf unterschiedliche Kanäle. Wir brauchten ein Wort für das Konglomerat an Webisodes, Alternate Reality Games, Romanen, Blogs und Merchandise, das sich seit neustem an jede größere Fernsehserie anhängt.

Spiel ist da eine ganz andere Sorte Teufel. Es ist einer dieser Begriffe, die jeder schon immer benutzt, von der jeder eine Vorstellung hat. Eine allgemeingültige Definition von Spiel zu finden ist in akademischen Kreisen schon längst ad acta gelegt, nachdem sich an dieser Problematik die Game Studies mehr oder minder entzündet haben. Ich habe streitbare Texte herausgesucht und entsprechend hitzig war die Diskussion im Seminar. Es war interessant zu sehen, wie unterschiedlich die Auffassungen waren, wie groß oder klein das Verständnis für den Nutzen von Definitionen. Manche haben Wirtschaft oder eine Naturwissenschaft als Zweitfach und tun sich schwer mit der Idee einer offenen Definition.

Feminist Reading: Kill La Kill

Auf den ersten Blick, so scheint es, muss man nicht über Kill La Kill sprechen. Halbnackte Mädels mit im Wind wehenden Brüsten (das sieht super schmerzhaft aus) kämpfen mithilfe von magischen Outfits gegeneinander. Sexualisierung, Objektifizierung, ungeniertes Catering für den männlichen Blick. Oder? Oder? Gut, ich war etwas voreingenommen, da ich durch einen Kommentar von Ana von vornerein die kritische Brille aufhatte, aber auch so hat mich direkt in der ersten Folge vieles genug irritiert, um mich von einem vorschnellen Urteil abzuhalten. Wer denkt, dass sich Kill La Kill durchgehend und ausschließlich problematisch liest, kann sich auf eine Überraschung gefasst machen.

Let me blow your mind!

Disclaimer: Kill La Kill ist ein extrem vielschichtiger Text mit so viel Selbstreferenzialität, dass auf keinen Fall eine einzig wahre Lesart der Serie möglich ist. Genauso gut könnte ich eine kritische feministische oder technologiephilosophische Lesart anbieten, die Referenzen auf Anime-Genres und -Konventionen analysieren und die Stilistik der Rückblenden ohne Ende abfeiern, aber das sollen andere Leute tun. Oh, und ach ja: Ich kann kein Japanisch. *wird alle Namen verschandeln, Kulturspezifika nicht raffen und Wortspiele nicht verstehen*

Transmedia Game Culture -- Sitzung 1

Es hat begonnen! Ich gebe mit Zen-Master und Transmedia-Göttin Kim Hebben zusammen ein studentisches Seminar an der Universität! Der Titel dieses Seminars lautet Transmedia Game Culture und ist eine Zusammenführung unserer beider Spezialgebiete -- Fernsehwissenschaften im Lichte von Medienkonvergenz und Game Studies und Identitätskonstruktion.

Kim und ich kennen uns original seit dem Einführungstutorium der Germanistik, also quasi seit ich das erste mal ernsthaft einen Fuß in die Universität gesetzt habe. Wir haben festgestellt, dass wir dieselbe Fächerkombination studieren (Medienwissenschaft und Germanistik war in unserem Jahrgang sehr oft vertreten. Heute? Not so much.) und irgendwie habe ich sie nicht wie so viele andere aus den Augen verloren. Wir haben unsere Bachelorarbeiten zusammen geschrieben und schreiben uns formelle E-Mails, in denen wir uns mit akademischen Titeln ansprechen, die wir (noch) nicht haben. Und jetzt geben wir ein Seminar zusammen, nachdem mich meine Masterarbeits-Betreuerin gefragt hat, ob ich nicht Lust dazu hätte. Alleine hätte ich mich nicht getraut. Aber mit Kim an meiner Seite? Definitiv!

Und gestern war die erste Sitzung! Also hier eine kurze Zusammenfassung, womit wir uns dieses Semester beschäftigen werden:

Der unsichtbare Körper -- Stealth in der Egoperspektive

Ich habe in der letzten Woche Dishonored durchgespielt. Dafür musste ich über meinen Schatten springen, denn ich hasse Egoperspektive. Sie macht mich desorientiert im besten und panisch im schlechtesten Fall. Ja, ich spiele sogar Skyrim in der Dritten Person. Und: Ich spiele Skyrim als Stealth. Vielleicht liegt das daran, dass Skyrims Kampfsystem so mittel spannend ist, Stealth die Schwierigkeit boosted, die Geschwindigkeit aus dem Spiel nimmt oder auch einfach nur zu den Charakteren passt, die ich gerne spiele. Aber Dishonored zwingt mich in die Egoperspektive -- und lenkt damit die Aufmerksamkeit auf das, was im Spiel sowohl ausschlaggebend als auch unsichtbar ist: Den Körper meines Avatars.

(Disclaimer: Leider habe ich bisher noch keines der Thief-Spiele gespielt, aber irgendwann, wenn ich genug Muße habe, schau ich mir die auch mal an.)

Stealth ist die denkbar unwahrscheinlichste Antwort auf Gewalt, die Videospiele anbieten können. Natürlich: Das strategische, langsame Vorgehen sind ein angenehmer Gegenpol zu hektischer Action und das Sich-Aus-der-Sichtlinie bewegen ist die Antithese zum Zielen und Schießen. Insofern finde ich darin mehr Freude als in Shootern, die ich, weiß Gott warum, nicht ausstehen kann. Unwahrscheinlich ist Stealth als Videospielmechanik darum, weil es eine extrem auf Körperlichkeit abzielende Erfahrung ist. Eine Körperlichkeit, die Videospiele nur schwer wenn überhaupt darstellen können.

Pink is not the Problem

tl;dr

Ich habe dieses Video schon drölfzigtausendmal verlinkt und ich werde es auch drölfzigtausend weitere Male tun, denn ich finde, dass es etwas sehr Wichtiges kurz, knapp und kurzweilig präsentiert. Aber ich möchte es hier dennoch noch mal in geschriebenem Wort und in Deutsch niederlegen.

Tatsächlich will ich dem Kind einen Namen geben und sein Name sei: Misogynie zweiter Ordnung. (Wenn es schon einen schlauen Namen in der Fachliteratur für das spezifische Phänomen gibt, so teile man ihn mir mit! Ich habe ein wenig akademischen Feminismus geschnuppert, aber nicht viel. D:)

Also, los geht es: Warum Pink nicht Satan ist und ich verdammt gute Sandwiches mache.

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gut werden

Es gibt Dinge, in denen ich gut sein will:

  1. Ich will gut schreiben können.

Schreiben ist die einzige Leidenschaft, die mich jetzt über zehn Jahre lang begleitet. Es ist das, was ich will, egal, was sonst noch so kommen mag. Ich liebe Geschichten. Ich beherrsche kein anderes Medium. Daher schreibe ich. Und ich will es so können, dass die Buchstaben transparent werden und ich Menschen so direkt erreiche, dass sie nicht mehr merken, dass sie lesen. 

Midwife-Crisis

*epische Trailer-Stimme an*

In a world where midwives are the new gangsters …

Ein kurzer Text, der die ausufernden Kosten für Geburten und Hebammen auf die awsomste Spitze treibt, die man sich vorstellen kann:
ACTION-HEBAMMEN!

Parkour war der erste Teil ihrer Ausbildung gewesen, noch bevor sie ihr eigentliches Handwerk erlernt hatte. Mit acht Jahren hatten sie und ihre Schwestern begonnen. »Es ist schwerer für Frauen«, hatte ihre Lehrerin Zoë, eine winzige Französin mit Schultern wie Linda Hamilton in Terminator 2, damals gesagt. »Unsere Gewichtsverteilung ist ungünstiger. Wir bauen nicht so leicht Sprung- und Oberkörperkraft auf wie Männer. Aber da müsst ihr durch.«
Maria zog sich auf das Dach.
Jede einzelne Stunde Training war es wert gewesen. …

Arbeit und Lohn

Kennt ihr diese animalischen Momente, in denen sich eure Sozialisierung kurz verabschiedet und ihr ein Gefühl der Entfremdung gegenüber eurer eigenen Kultur empfindet, denn, seien wir mal ehrlich, was machen wir da eigentlich die ganze Zeit? Warum zum Teufel bin ich nicht draußen und pflücke Brombeeren oder fische oder suche nach wildem Gemüse? Warum sitze ich an einem Schreibtisch und starre ein Ding aus Plastik und Metallen an, das mir bunte Bilder und irgendwelche abstrakten Zeichen zeigt? Ich bin mir relativ sicher, dass ich nicht dafür gemacht bin.
Nein? Bin das nur ich? Na ja, auch egal.
Denn diese Momente gehen vorbei. Aber sie lassen einen mit Fragen zurück. Und eine Frage, die mich derzeit ständig umtreibt, ist Sinn und Unsinn von Lohnarbeit, hauptsächlich genährt durch diverse Artikel über die idiotischen Ausmaße, die das inzwischen annimmt.

Es war nicht alles schlecht

»Es war der 14. Juli 2014«, antworte ich meiner Tochter. Sie und ihr Bruder sind dieses Jahr vierzehn geworden und arbeiten jetzt, wie alle ihre Altersgenossen und -genossinnen in den öffentlichen Gärtnereien. Nicht lange. Nicht oft. Aber als Mitglieder der Arbeiterschaft erreichen Sie die ersten Erzählungen darüber, wie es früher war und die Fragen bohren ihre Wurzeln in den Nährboden ihrer Köpfe. Natürlich hört man überall davon. In der Schule, im Fernsehen, überall. Wie es dazu kam … nein, das haben sie noch nie gehört.

»Es war der 14. Juli 2014, kurz nach Mitternacht und Deutschland war Fußballweltmeister geworden.«

How to Build a Girl

Und ich melde mich zurück zum Dienst! Natürlich muss der erste Beitrag auf dem neu aufgehübschten Blog (*streichelt neues Design*) zu How to Build a Girl von Caitlin Moran verfasst werden. Denn, falls jemand es noch nicht auf Twitter mitbekommen haben sollte: Das Buch ist großartig. Und ich habe mich zu einem Zwischending zwischen Review und Feminist Reading entschieden, also es werden ein paar Spoilers drin vorkommen, vorweg will ich aber eine allgemeine Leseempfehlung aussprechen:

Lest es.
Ganz im Ernst.
Es ist großartig.

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