Morgen gehen wir weiter

Dies ist ein Motivations-Blogpost.

Ich weiß. Gewöhnt euch nicht daran.

Meine Motivation, einen Motivations-Blogpost zu schreiben, ziehe ich aus der Demotivation, die motivierende Texte in mir auslösen.

Ich weiß. Lasst mich erklären.

Ich lese aus allen Erfolgsgeschichten die Differenzen zu mir heraus. Jedes "Schon als ich klein war" löst ein "Ich war älter" aus, jedes "Ich wollte schon immer" ein "Ich hatte erst andere Pläne", jedes "Unermüdlich habe ich" macht mich beschämt über meine Umwege, Pausen und Verzweiflung. Das hat dazu geführt, dass ich Texte, die motivieren sollen, nicht mehr gerne lese. Sie kommen mir zynisch vor. Von oben herab, buchstäblich. Die, die schon oben sind, haben gut reden. Sie führen mir vor Augen, was mir fehlt, was ich noch tun muss, was ich vielleicht nie schaffen werde.

Darum will ich selbst einen Motivationstext schreiben. Nicht als jemand, der sich in der Sicherheit eines erfüllten Traums wiegt, nicht als jemand mit einer einzigartigen, subjektiven Erfolgserfahrung, die ohnehin nicht auf andere übertragbar ist.

Ich will euch motivieren. Als jemand, der feststeckt. Der müde ist. Der nicht weiß, ob er nochmal auf die Beine kommt. Seht mich für den Moment als Weggefährtin, die abends nach einem langen Marsch mit euch am Lagerfeuer sitzt. Es hat den ganzen Tag geregnet, der Boden ist schlammig, es ist nass und kalt und wir sind schmutzig und elend. Keiner weiß, ob wir morgen das Ziel erreichen. Keiner weiß, ob wir das Ziel überhaupt erreichen. Und doch. Und doch.

Es ist okay. Ja, es ist nicht leicht und alles scheint sich gegen uns verschworen zu haben, aber es ist okay. Andere sind schneller, einige sind zielstrebiger, manche erreichen ihr Ziel trotz der widrigsten Umstände. Trotzdem ist es okay. Wir haben hart gearbeitet und sind weit gekommen. Ist vielleicht nicht da, wo wir hin wollten, aber immerhin. Wir haben angefangen. Wir sind dran geblieben. Das ist mehr, als andere von sich behaupten können. Viele haben einfach nur Glück. Es ist keine Schande, kein Glück zu haben. Und wer weiß. Vielleicht kommt für uns ja auch noch ein bisschen Glück.

Es ist okay, müde zu sein. Es ist okay, manchmal am liebsten aufgeben zu wollen. Jeder muss sich mal ausruhen, wir sind keine Maschinen. Es ist okay, wenn die Füße manchmal so wehtun, dass man sich vorkommt, als müsste man das Laufen nochmal neu lernen. Man macht einen Schritt. Dann den nächsten. Jeder ist einer weiter, egal wie wackelig er ist. Wir werden unseren Rhythmus schon wieder finden.

Und wenn wir unterwegs an einem anderen Ort rauskommen, als geplant: Was soll's? Wir wären nicht, wo wir sind, wenn wir uns nicht hierher gequält hätten. Vielleicht wollen wir gar nicht an unser Ziel. Vielleicht finden wir auf dem Weg einen schöneren Ort. Vielleicht suchen wir eigentlich einen neuen Weg. Wer weiß das schon? Noch sind wir unterwegs. Wohin, das weiß man ja eigentlich immer erst, wenn man da ist.

Und du siehst zu mir rüber durch den Qualm des feuchten Lagerfeuers.

Wir sind nass und müde und frieren.

"Ich weiß", sage ich. "Gewöhn dich nicht daran."

"Morgen gehen wir weiter?"

"Morgen gehen wir weiter."

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Kommentare

(Kein Betreff)

Wow! Ich bin über deinen Heimat-Post auf Twitter hier her gekommen. Und ich habe so etwas ganz sicher nicht erwartet: ein sehr guter und ein sehr schöner Text! Ich kann die Gefühle sehr gut nachvollziehen, vllt kann das jeder. Ich wünsche dir immer die nötige Motivation und dass du das findest, womit du zufrieden bist. Alles Gute und weiter so!

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