Liebe Uni

Der Campus der Ruhr-Universität unter bedecktem Himmel. Am Audimax hängt ein leuchtender Schriftzug: How love could be

Ja, wie könnte sie sein, die Liebe? Wenn ich aus der Erfahrung mit uns beiden sprechen müsste, ach Ruhr-Uni, würde ich vor allem sagen: Einseitig. Grau. Herzzerreißend. Du weißt, dass du nicht schön bist mit deinem grauen Beton, der gerüchteweise aber doch brennt. Aber du weißt auch, dass mir das nie wichtig war. Für jemanden, deren Schule ein eingebautes Militärkrankenhaus für den Fall eines Nuklearschlags beheimatete, warst du vielleicht sogar genau die richtige Uni. Schließlich heißt es ja, man suche sich immer Partner, die an die Eltern erinnern. Aber ich war für dich immer nur eine von vielen, RUB. Und ich kann das nicht mehr. Uni, ich verlasse dich.

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Technikutopien -- Technikdeterminismus die 2.

Wenn es nicht gerade auf Twitter ist und in 140 Zeichen passen muss, versuche ich ja immer, differenziert zu sein. Und tatsächlich hat sich ein Anlass ergeben, mal die Gegenseite zu meinem Post über Technikdeterminismus und -pessimismus zu schreiben. Es geht um den Artikel mit dem sprechenden Titel Da hilft auch das Internet nicht, von Martin Klingst auf zeit.de veröffentlicht. Allein der Anreißertext warf schon mit so merkwürdigen Formulierungen um sich, dass ich den Artikel gelesen habe, obwohl ich schon befürchtet habe, dass ich mich hinterher nur darüber aufrege.

Macht das Netz die Menschen offener und toleranter? Nicht unbedingt, zeigt jetzt eine Studie der Weltbank. Und auch die Täter von Köln hatten schließlich Smartphones.

Satz für Satz:

Macht das Netz die Menschen offener und toleranter?
Nein. Man spricht ja nicht umsonst von Filterblasen. Das ist aber schon länger und vor allem doch auch aus dem eigenen Alltag bekannt.

Nicht unbedingt, zeigt jetzt eine Studie der Weltbank.
Zeigt jetzt, jetzt! Vgl. oben.

Und auch die Täter von Köln hatten schließlich Smartphones.
An der Stelle war es bei mir vorbei. Die schiere Zusammenhangslosigkeit zwischen dem zweiten und dem dritten Satz ist erstaunlich.

Ein Windows-Rant

Sehet her, Brüder und Schwestern der Betriebssystementwickler_innen, sieben Tage und sieben Nächte habe ich auf dem Gipfel der Elektroschrottberge gebetet. In der siebten Nacht brachen die Wolken auf und ich hörte tausend Stimmen sagen: "ICH BIN DER USER UND DU SEIST MEINE PROPHETIN." Ich kehre zurück zu euch, Brüder und Schwestern, mit den Worten des USERS. Zehn Gebote gab er mir, die ihr in der Entwicklung von Betriebssystemen beachten sollt.

Der USER sprach:

  1. Ich will andere Betriebssysteme neben dir haben. Hinterfrage meinen Wunsch nicht, denn die Wege des USERS sind unergründlich.
  2. Deine Updateprozesse sollen transparent und steuerbar sein.
  3. Wahrlich, deine Updateprozesse sollen weder das Hoch- noch das Runterfahren der Maschine in irgendeiner Weise beeinträchtigen.
  4. Deine Updateprozesse sollen die Bedienbarkeit des Systems nicht einschränken.
  5. Begehre nicht deines USERS persönliche Daten.
  6. Du sollst nicht ohne meine Einwilligung neustarten.
  7. Deine Vergabe von Administrationsrechten soll mehr als der Klick auf einen "OK"-Button sein.
  8. Du sollst deine Lizenz, wenn du unbedingt so etwas brauchst, nicht mit der Hardware verknüpfen.
  9. Du sollst die Daten deines USERS lokal speichern und nicht ungefragt mit irgendwelchen Cloud-Diensten synchronisieren.
  10. Du sollst deinen USER ehren.

11x die Wahrheit

Ich wurde von Steffen dazu angehalten, ein paar Fragen zu beantworten. Und ich könnte jetzt schnippisch tun und sagen: Bei solchen Dingen mach ich nicht mit und ach und sowieso, aber da ich neulich erst random Informationen über mich via Twitter gepostet habe, wäre das irgendwie hohl. Und da ich schon lange mal wieder den Blog hier beleben wollte: Warum nicht so? Ich sage nur gleich, dass ich das Schneeballsystem nicht ganz weitermachen kann, einfach aus dem Grund, dass ich keine 11 Blogger*innen kenne, an die ich die Aufgabe weiterreichen könnte. Aber fangen wir an:

Die Erfindung des erwachsenen Menschen

In kulturwissenschaftlichen Kreisen wird immer wieder von der "Erfindung der Kindheit" gesprochen. Gemeint ist damit, dass die Kindheit als vom Rest des Lebens unterscheidbare, schützenswerte Phase erst relativ spät in der Geschichte aufgekommen. Wenn man bedenkt, wie lange es selbst im Fortschrittlichen Europa™ selbstverständlich Kinderarbeit gab. Aber wenn die Kindheit erst erfunden werden musste, wurde der erwachsene Mensch als dessen Gegenstück dann nicht auch erfunden?

Über Orientierung

Heute Morgen wurde ich von @pintawohl auf diesen Text in der NZZ aufmerksam gemacht. Kernthese: Mit dem Smartphone lässt sich nicht flanieren. Die neuen Orientierungsmöglichkeiten durch Google Maps lässt sich die Stadt nicht mehr erkunden, man ist nur noch zielstrebig unterwegs. Der Flaneur wird zum Voyeur. Wie der Zufall es so will fällt das genau in meine Beschäftigung mit Raum im Rahmen meiner Masterarbeit.

Identitätsurlaub

Alles, was man tut, um sich selbst als von anderen unterscheidbares Individuum wahrzunehmen, nennt man in der Soziologie Identitätsarbeit. Ich mag den Begriff ganz gerne, denn er drückt aus, was es wirklich ist: Arbeit. Wir sind über 7 Milliarden Menschen, aber irgendwie sollen wir uns von allen anderen unterscheiden, lediglich mit uns selbst identisch sein und unsere Identität auch irgendwie artikulieren können. Ich finde das ... anstrengend. Viele haben Spaß daran, sich zu stylen, auszudrücken, auszuprobieren, buchstäblich "zu sich selbst zu finden". Und da ich gerade im Zuge meiner Überlegungen zur Masterarbeit auch das Konzept der Heimat reflektiere und in diesem Zuge über Räume der Freizeit nachdenke, bin ich unweigerlich auf das Konzept des Urlaubs, genauer gesagt der Urlaubsreise gekommen, welche in meiner Arbeit leider keinen Eingang findet.

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Digital Detox und Technikdeterminismus

Können wir kurz über Bildschirm-Bashing sprechen? Glotz nicht so viel, du bekommst noch viereckige Augen. Ihr kennt das. Bildschirm-Bashing ist der große Bruder von Algorithmophobie (Die Algorithmen, sie bestimmen unser ganzes Leben!!), Papierromantik (Bücher! Bücher bringen einem Denken bei!) und Face-to-Face-Fetisch (Warum redet ihr nicht einfach miteinander?). Sie alle gehören zu der Familie des Technikdeterminismus, die Vorstellung, dass die Technik diktiert, wie sie genutzt wird und wie sich unsere Gesellschaft in diesem Licht entwickelt. Die Idee ist nicht ganz abwegig. The medium is the message und so. Natürlich bedingt eine Technik, was mit ihr getan werden kann, aber darum noch lange nicht, was mit ihr getan werden muss.

Theorietagebuch #4: Natur

Spricht man von Raum spricht man automatisch über Grenzen, denn diese geben ihm erst seine Form. Man spricht auch über Dichotomien wie Zentrum und Peripherie, Ost und West, Norden und Süden, Stadt und Land oder noch besser: Kultur (Zivilisation) und Natur. Am Samstag war ich im Ruhrtal wandern, es war warm, sonnig, der Wald war frühlingsgrün und die Vögel haben gesungen. Mit anderen Worten: Die Natur war kitschig ohne Ende. Was mich in meiner Theoriesättigung auf die Frage gebracht hat: Wie haben Menschen die "Natur" früher wahrgenommen?

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