Politik

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Angst als Ästhetik der Politik

„Ich wünschte, die Leute würden sich mehr für Politik interessieren“, höre ich mich noch sagen. Mein ganzes Leben lang begleitet mich das Wort Politikverdrossenheit wie ein mahnender Zeigefinger. Eure Generation, also die Jugend von heute, die interessieren sich ja nicht, die sind so politikverdrossen. Ja, vielleicht, kann sein. Ich wünschte mir auch, dass sich mehr Leute für soziale Gerechtigkeit und eine Reformation unseres Verhältnisses zu Arbeit und Wirtschaft einsetzen würden. Aber Politik ist auch so träge, so undurchlässig, so … WO KOMMEN DIE GANZEN NAZIS AUF EINMAL HER?

Gut, es ist nicht so, dass der Rechtsruck über Nacht kam. Das hat sich angekündigt. Im Erfolg Thilo Sarrazins, in der wachsenden Beliebtheit rechter Verschwörungstheorien, in der zunehmend rechten Rhetorik im öffentlichen Diskurs. Ich frage mich nur, wie ich von den 90ern als Jahrzehnt der politischen Apathie in eine Zeit der überschäumenden politischen Gefühle gekommen bin. Und bei meinen Überlegungen bin ich bei Ästhetik rausgekommen. Lasst mich erklären.

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Post-truth politics

Wer am Montag die aktuelle Ausgabe von Last Week Tonight gesehen hat, wird darin ein erschreckendes Beispiel für Post-truth politics gefunden haben: Ein immer deutlicherer Trend in der politischen Debatte, Kampagnen an den Fakten vorbei zu machen, eine eigene, gefühlsmäßige Realität zu schaffen und Wahrheit an Befindlichkeiten zu knüpfen. Ein weiteres Beispiel wäre die Äußerung von Michael Gove während der Brexit-Kampagne, das Britische Volk hätte genug von Experten, als er nach Wirtschaftler*innen gefragt wurde, die einen Brexit für eine gute Idee halten. Ich habe zu diesem Phänomen zwei Gedankengänge. Die erklären ganz bestimmt nicht alles, aber sie helfen mir, zumindest ansatzweise zu begreifen, was eigentlich passiert und wie es dazu kommen könnte. (Kein Anspruch auf Vollständigkeit, yadda yadda yadda.)

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Die Politik der Black Box

Die Black Box kennen die meisten als dieses kleine Aufzeichnungsgerät, das alle nach Flugzeugabstürzen suchen. Die Black Box ist jedoch auch eine Denkfigur, die im zweiten Weltkrieg aufgetaucht ist und eng mit der kybernetischen Theoriebildung zusammenhängt. Die Black Box ist in diesem Sinne ein Gegenstand oder eine Entität, über deren Inneres nichts bekannt ist. Man kann eine Black Box nicht öffnen, das ist eines ihrer definitorischen Merkmale. Die Black Box hat jedoch Ein- und Ausgänge, man kann sie also als Funktion verstehen.

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Feindesland

Stein des Anstoßes für diesen Artikel ist ein Post von @kattascha, der einem aus der Seele schreit: Unsere Generation, die der unter 35jährigen, den es doch "so gut geht", ist eine Minderheit, die im Zustand permanenter Krisen aufgewachsen ist. Wir werden nicht bezahlt, wir sollen die Renten einer überalternden Bevölkerung finanzieren und zudem noch die Zukunft des Landes mit ausgelebter Fruchtbarkeit sichern. Wir glauben nicht an die Macht der Märkte, wir glauben nicht an Wachstum. Überall in Europa rumort es. Die Jungen lehnen sich gegen den Macht- und Meinungsmonolithen der Babyboomer-Generation auf. Und doch verharrt der Großteil von uns in ohnmächtiger Lähmung.

The Onion of Doom