Theorietagebuch

Deutsch

Theorietagebuch #4: Natur

Spricht man von Raum spricht man automatisch über Grenzen, denn diese geben ihm erst seine Form. Man spricht auch über Dichotomien wie Zentrum und Peripherie, Ost und West, Norden und Süden, Stadt und Land oder noch besser: Kultur (Zivilisation) und Natur. Am Samstag war ich im Ruhrtal wandern, es war warm, sonnig, der Wald war frühlingsgrün und die Vögel haben gesungen. Mit anderen Worten: Die Natur war kitschig ohne Ende. Was mich in meiner Theoriesättigung auf die Frage gebracht hat: Wie haben Menschen die "Natur" früher wahrgenommen?

Theorietagebuch #3: Raum produzieren, nutzen, sein

Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts war Raum im Vergleich zur Zeit -- genauer gesagt zur Geschichte -- eine zu vernachlässigende Größe im sozialkritischen Diskurs. Henri Lefebvre und nach ihm eine ganze Riege von Theoretikern haben ihn als Analysekategorie wieder in den Mittelpunkt gerückt. Lefebvres Production de l'espace (engl.: The Production of Space) kritisiert diese "Raumvergessenheit" scharf. Er sieht im Raum sowohl Produktionsmittel als auch Produkt von Arbeit und Machtverhältnissen im marxistischen Sinn.

Theorietagebuch #2: Körper als Kontingenzschwelle

"Identität", so Gernot Böhme in Anlehnung an Platon, "ist eigentlich nur für einen Gott gemacht, menschliches Dasein ist charakterisiert durch Nichtidentität."¹ Er spielt damit auf die alte Erkenntnis an, dass die Identität einer Person ständig in der Entwicklung ist, dass Identität im Sinne von "derselbe sein" eigentlich keinen Platz in menschlichem Leben hat. In der Antike wie in der Moderne ist das Konzept, zu bleiben, wer man ist, irgendwie befremdlich. In der Moderne bzw. Postmoderne sogar noch ein kleines bisschen mehr. Denn die Kategorien, über die wir traditionell unsere Identität abgefragt haben (Geschlecht, Beruf, Heimat …) verlieren mehr und mehr an Bedeutung. Aber hebt Platon noch den Körper als offensichtlich Wandelbares (vom Kind zum Greis) hervor, finden wir bei Foucault ein gänzlich anderes Sentiment:

Theorietagebuch #1: Identität und Wertschätzung

Im Zuge meiner Masterarbeit habe ich drei große Diskurse, die ich mir aneignen möchte, nämlich die über Raum, Identität und Fandom. Fandom ist noch relativ gegenständlich und eingängig, die anderen beiden sind große abstrakte Themen der Soziologie und Philosophie. Denn Raum ist keinesfalls als territorial begrenzte Einheit des physikalischen Raums zu verstehen. Als was dann? Das hoffe ich, mit der Zeit ausdrücken zu können.

Wohin diese Theorieblöcke führen sollen, sage ich noch nicht. :3

Im Theorietagebuch will ich nicht meine eigenen Gedankengänge festhalten, die Eingang in die Arbeit finden, sondern wunderbare Zitate und solche Überlegungen teilen, die gezwungenermaßen bei der Beschäftigung mit so einem Themenkomplex aufkommen, aber irrelevant oder untauglich für die Arbeit sind. Ansonsten käme ich eventuell in die Verlegenheit, mich selbst zu plagiieren und das will ja keiner. Falls die Arbeit gut genug bewertet wird, könnt ihr ohnehin davon ausgehen, dass ich sie hier nach Fertigstellung in Gänze teile.

Mein erstes Zitat stammt von Annette Barkhaus.